Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 131

Veränderlich wie das Wetter

Von Sabine Kunz

Nike Bätzner: Arte Povera. Zwischen Erinnerung und Ereignis: Giulio Paolini, Michelangelo Pistoletto, Jannis Kounellis. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg. 316 Seiten mit 130 meist kleinformatigen Abbildungen, davon 12 in Farbe. 65 Mark

Selbstsicher schlug der noch unbekannte Michelangelo Pistoletto das verlockende Angebot des mächtigen Leo Castelli aus. Der amerikanische Galerist wollte den jungen Künstler 1963 in den USA ansiedeln und in seiner Galerie vertreten. Aber Pistoletto blieb lieber in seinem Geburtsland Italien, als sich unter dem Label "Pop Art" vermarkten zu lassen. Nichts war ihm so zuwider, wie dogmatisch einem einzigen Stil zu huldigen.

Dafür wurde Pistoletto zu einem der wichtigsten Vertreter einer Kunst, die für den Pluralismus im Denken und im Handeln stand: der Arte Povera. Mit lebensnahen Arbeiten und oft unwiederholbaren Aktionen avancierte die "Arme Kunst" zur wichtigsten Strömung der italienischen Nachkriegskunst. Kein Manifest verband etwa ein Dutzend befreundete Künstler. "Mehr als ein System, war die Arte Povera ein Gefühl", schrieb der Kunstkritiker Germano Celant, "und dabei so ." An drei Künstlerpersönlichkeiten - Giulio Paolini, Michelangelo Pistoletto und Jannis Kounellis - macht die Autorin Nike Bätzner dieses künstlerische Zeitgefühl fest. Kenntnisreich interpretiert sie deren Arbeiten vor dem Hintergrund der Begriffe Zeit und Geschichte, Material und Armut, Aktion und Politik, Nomadentum und Bildersturm und bezieht dabei auch Celants assoziative Interpretationsansätze der Arte Povera ein.

Bildunterschrift: Installation "Fünf Brunnen" des Arte-Povera-Künstlers Michelangelo Pistoletto (1966) /