Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 128
Pop-Art als Zeitkritik
Von Christine Kramer
Neal Benezra, Kerry Brougher (Hrsg.): Ed Ruscha. Scalo Verlag, Zürich. 208 Seiten, 80 Farb- und 70 Schwarzweiß-Abbildungen. 78 Mark
Das Letzte was Edward Ruscha werden wollte, war Maler. Er sei nicht der Künstler, so sagte er einmal, der morgens aufsteht, um sofort nach dem Pinsel zu greifen, ahnungslos, was passieren wird. Ihn interessiere nur das Ergebnis. Die besten Ergebnisse aus Ruschas inzwischen fast vierzig Jahre umfassenden Werk präsentieren Neal Benezra und Kerry Brougher in einer großen Retrospektive, die bis 5. Februar 2001 im Museum of Contemporary Art in Chicago gezeigt wird und deren Katalogbuch nun vorliegt.
Die verdienstvolle Retrospektive ist zugleich eine Synthese der vielen Ansätze und Inspirationen Ruschas, die sich stets einer schnellen Einordnung entzogen haben. Der 1937 in Omaha, Nebraska, geborene Künstler wollte ursprünglich Comiczeichner werden, dann Werbegrafiker. Seine Begegnung mit der Kunst Robert Rauschenbergs und Jasper Johns' gab jedoch den entscheidenden Anstoß für ein Werk, das die Themen der Pop Art aufnimmt und ihnen einen unverwechselbaren, zeitkritischen Ausdruck verleiht. Ruscha ist immer von Grafik und Typografie fasziniert gewesen. Seine Wort-Bilder sind Meilensteine einer Bewegung, deren Ausläufer in den Filmen Jean-Luc Godards ebenso zu finden sind wie in den Bildern der amerikanischen Künstlerin Barbara Kruger.
Bildunterschrift: Mit Wortbildern erforscht der Amerikaner Ed Ruscha Landschaften und Räume (1999) /
