Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 130-131
Elvira Bachs Rollenspiele
Von Alfred Nemeczek
Friedrich W. Kasten (Hrsg.): Elvira Bach - Kinder Küche Kunst. Wienand Verlag, Köln. 128 Seiten, 92 Abbildungen, davon 74 in Farbe. 64 Mark
Seit gut 20 Jahren stilisiert die mit den Berliner "Heftigen" bekannt gewordene Malerin Elvira Bach nun schon ihr Ich zur unverwechselbaren Kunst-Figur plakativ gemalter Rollenspiele. Je nach Habit, Körpersprache und Requisiten (Kreuz, Herz, Anker; Erdbeere, Pinsel, Messer, Zigarette, Blume) posiert sie auf ihren Gemälden als breitschultrige Schlampe, Salonschlange, Mutter, Verführerin oder Verführte, als schwarze Göttin, Hausmaid oder Lichtgestalt, deren Beine mit hochhackigen Pumps verwachsen sind. Und noch immer "polarisiert" ihre Kunst das Publikum, wie Friedrich W. Kasten als Herausgeber dieser mit 61 Werkbeispielen der Jahre 1986 bis 1999 illustrierten Monografie bemerkt.
Er und drei andere Autoren sind jedenfalls auf ihrer Seite. Gescheit rücken sie das "Zyklische des Ewig-Weiblichen" bei Elvira Bach in mythischen und aktuellen Kontext, sehen die Künstlerin aber auch "an der Grenze zur Naivität" (Rainer B. Schossig). "Erniedrigung und Angst" nimmt Tanja Fiedler in manchen Bildern wahr, und Ernst A. Busche rühmt den "radikalen Weg" der documenta-Teilnehmerin von 1982: "Sie blendet alles aus, was sie von ihren Bildern, ihren Themen ablenken könnte."
Wer solche Freunde hat und so viel Erfolg, erträgt wohl auch Gegner, die sich von der Bemerkung, Elvira Bachs Malerei sei nun "eine Spur samtener" geworden (Schossig), gewiss noch nicht umstimmen lassen.
Bildunterschrift: Elvira Bach: "Mit Anthurie" (1992) /
