Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 130

Mit Bikini ins Museum

Von Kia Vahland

"VB 08-36" Vanessa Beecroft Performances, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern. 176 Seiten mit Abbildungen in Farbe. 68 Mark

Wenn nackte oder halbnackte Mädchen durch ein Museum schlendern, steckt bestimmt Vanessa Beecroft dahinter. Sie hat ihre Modelle in Museen von New York über Eindhoven bis Stockholm geschickt. Aufmachung und Herkunft der jungen Frauen variieren, die Befehle, die die Künstlerin ihnen gibt, nicht. Sie sollen "nicht sprechen, nicht in Realzeit reagieren, sich nicht zu schnell oder zu langsam bewegen, klassisch sein". Also schauen die Mädchen durch das Publikum hindurch, als wären sie in einer anderen Welt zu Hause, der Bilderwelt. Beecrofts Arbeiten "wenden die Rhetorik der Malerei auf dem Gebiet der Performance an", erklärt Dave Hickey im Vorwort des Künstlerbuches.

Mehr Erklärungen gibt der Band leider nicht. Zwar ist zu sehen, wie die Models im New Yorker Guggenheim Museum Gucci-Bikinis tragen und in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst Arbeitermützen. Doch von der langen Geschichte der "tableaux vivants", der lebenden Bilder, erfährt der Leser sowenig wie von Beecrofts eigener Sicht auf ihre Kunst. Aus den für die Künstlerin so wichtigen Tagebüchern wird nicht zitiert, ein Interview mit ihr gibt es auch nicht. So ist das Ganze nicht mehr als ein hübsches Bilderbuch, weder informativ noch so überraschend wie die Performances der Künstlerin.

Bildunterschrift: Besuch der jungen Mädchen: Die in New York lebende Performance-Künstlerin Vanessa Beecroft schickt Models ins Museum, "VB08.002VB" (1994) /