Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 129-130
Auf der Spur der Farben
Von Susanne Wagner
Anne Fietz (Hrsg.): Gerhard Fietz - Annäherung und Werk. Eigenverlag, Göddingen. 464 Seiten mit 3095 Abbildungen, davon 95 in Farbe. 148 Mark (im Gerhard Fietz-Haus 98 Mark)
Gerhard Fietz (1910 bis 1997) der bei Alexander Kanoldt und Oskar Schlemmer studierte, war ein stiller, zurückhaltender Mann. Er mochte den Rummel des Kunstbetriebs nicht und Werbung für seine Malerei ebenso wenig. Der Name des gebürtigen Breslauers fehlt auf der Liste der prominenten Künstler nach 1945, seine Bilder hängen nicht in den großen Sammlungen und Museen - dabei hat Fietz die gegenstandslose Malerei im Nachkriegsdeutschland mit auf den Weg gebracht. Er gründete mit Kollegen wie Willi Baumeister, Rupprecht Geiger und Fritz Winter die Gruppe "ZEN 49".
Die vorliegende Monografie rückt den lange Vergessenen nun ins rechte Licht. Sie stellt das in sieben Jahrzehnten gewachsene, vielfältige Lebenswerk, rund 4600 Bilder, vornehmlich Arbeiten auf Papier, erstmals umfassend vor. Die Witwe des Künstlers, Anne Fietz, die das Atelierhaus in Bleckede-Göddingen nahe der Elbe fürs Publikum geöffnet und einen Förderverein initiiert hat, zeichnet für den soliden Werkkatalog verantwortlich. Weggefährten des Künstlers, Galeristen und Ausstellungsmacher wie Angelika Harthan, Helmut Thoma und Maike Bruhns beleuchten in knappen, zumeist lesenswerten Aufsätzen neben der Entwicklung seiner Malerei auch den Menschen Gerhard Fietz.
Der begriff seine Kunst als Ausdruck eines "stetig sich verändernden Lebens, das Wiederholung nicht duldet". Fietz' Handschrift wandelte sich in Dekadensprüngen: Die naturalistische Sprache seiner frühen Landschaften, Porträts und Stillleben wirft er 1946 über Bord und konstruiert - anknüpfend an Paul Klee und Wassily Kandinksy - eine Bildwelt aus frei erfundenen Formen. Ab 1955 entstehen experimentelle, impulsive und dem Informel verwandte Bilder, danach meditative Farb-Landschaften, die an die pure Malerei von Mark Rothko oder Geiger erinnern. Streng konzipierte geometrische Arbeiten - klare Farben, harte Kanten - dominieren gegen Ende der siebziger Jahre. "Gegensätzliche Kräfte" (Bildtitel von 1994) beherrschen das Oeuvre von Gerhard Fietz, erst auf den späten Leinwänden, großformatig und leuchtend, lässt er sie nebeneinander bestehen.
Bildunterschrift: Gerhard Fietz-Haus, Am Redder 5, 21354 Bleckede/Göddingen, geöffnet nach Vereinbarung, Tel. 0 58 54/10 13. / Impulsive Farb-Landschaften prägen die Malerei von Gerhard Fietz (ohne Titel, 1984) /
