Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 112

Schmales Dokument einer großen Ausstellungsblamage

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Museum Folkwang legt Symposions-Band zu Jawlensky vor

Einen Publikumsrenner hatte sich der Direktor des Essener Museums Folkwang versprochen. Was Georg W. Költzsch im Februar 1998 trotz zahlreicher Warnungen unter dem Titel "Das Auge ist der Richter" präsentierte (ART 1/1998), geriet dann aber zu einem der größten deutschen Museumsskandale der Nachkriegszeit mit unabsehbaren Folgen für den Kunstmarkt. Die vom Museum vollkommen unkritisch als "wiederaufgefundene Aquarelle" gefeierten Blätter, die vom Expressionisten Alexej von Jawlensky stammen sollten, hielten dem Expertenurteil nicht einmal 48 Stunden stand. Schon am zweiten Ausstellungstag belegte der junge Kunsthistoriker Jörg Bittner auf einem Symposion, dass es sich um plumpe Fälschungen handelte - abgepinselt aus einem Buch und einem Ausstellungskatalog (ART 3/1998).

Nun endlich liegt der seit fast drei Jahren angekündigte und von den Katalogkäufern ebenso lange bereits vorfinanzierte Band vor, der dieses Symposion dokumentiert. Kernstück des reichlich schmalen Buches ist ein Wortprotokoll der denkwürdigen Essener Tagung, auf der neben Bittner auch Autoritäten wie der ehemalige Direktor des Düsseldorfer Kunstvereins, Ewald Rathke, oder der Leiter des Amsterdamer "Rembrandt Research Project", Ernst van de Wetering, hart mit der Essener Ausstellung ins Gericht gingen. Schon deswegen lohnt sich die Lektüre.

Beeinträchtigt wird sie allerdings durch erneute Rechtfertigungsversuche von Költzsch und vom Jawlensky-Archiv, das die Künstler-Erbinnen in Locarno unterhalten. Der Band verschweigt auch, warum die kein großes Interesse daran haben konnten, allzu kritisch hinzusehen. Ihr Münchner Anwalt, Christian Kuhnke, verkaufte damals zu hohen Preisen aus dem Konvolut. Nicht für alle Blätter sei eine Fälschung nachgewiesen worden, beklagt nun in einer Stellungnahme Angelica Jawlensky die "an Hexenjagd grenzende Anprangerung des Symposions". Diese im Buch erneut durch das Museum verbreitete Sprachregelung soll offensichtlich auch vor finanziellen Ansprüchen getäuschter Käufer schützen.

Georg W. Költzsch/Michael Bockemühl (Hrsg.): Das Jawlensky-Symposion. Supplement zum Katalog "Jawlensky - Das Auge ist der Richter". Essen, Museum Folkwang.

Bildunterschrift: Jawlensky-Fälschung: als "Zauberberg" im Ausstellungskatalog (um 1912) /