Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 110

Der Minister jubelt, der Museumsneubau wackelt

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Verwirrung um die Münchner Brandhorst-Sammlung

Das Museum für die Sammlung Brandhorst wird gebaut, verkündete Kunstminister Hans Zehetmair Ende Oktober vor dem Kulturausschuss. Dafür und für die Graphische Sammlung soll je ein eigenes Haus neben der Pinakothek der Moderne entstehen.

Die Finanzierung ist allerdings nach wie vor unsicher. Den Wettbewerb um den Architektenentwurf für das Brandhorst-Museum auf dem Gelände der ehemaligen Türkenkaserne kann die zuständige Oberste Baubehörde erst ausschreiben, wenn der Haushalt 2001 im Laufe des Dezember vom Landtag gebilligt wird. Bisher schlagen die Planungskosten im Haushaltsentwurf mit zwei Millionen Mark zu Buche, weitere sechs Millionen Mark sollen hinzukommen. Laut Vertrag muss das Brandhorst-Museum jedoch fünf Jahre nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Pinakothek der Moderne stehen - spätestens also 2005.

Brandhorst selbst will für den Bau seines Museums offenbar keinen Pfenning zahlen. Schon für die Finanzierung des Katalogs zur Ausstellung "Food for the Mind" musste ein Mäzen aus dem Kreis der Stiftung Pinakothek der Moderne einspringen. Auch bleiben die Bilder, die aus den Zinserlösen der Brandhorst-Stiftung gekauft werden, deren Eigentum. Sie werden lediglich, so das Ministerium, "in die Obhut der Staatsgemäldesammlungen gehen" - als Dauerleihgaben. Diese aber könnten auch wieder zurückgezogen werden.

Geradezu lächerlich mutet die von Zehetmair gern ins Feld geführte "Getty-Dimension" der Brandhorst-Stiftung an. Zum Vergleich: In München sollen zehn Millionen Mark jährlich für neue Ankäufe zu Verfügung stehen, der J. Paul Getty Trust in Los Angeles dagegen gab im letzten Geschäftsjahr 1,3 Milliarden Dollar (etwa 3 Milliarden Mark) für Kunst und Bücher aus.

Wer diese Ungereimtheiten in München anspricht, hört die Drohung, bei zu starker Kritik könnte die Sammlung Brandhorst nach wie vor nach Köln abwandern. Dort allerdings weiß Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer von nichts. Und Udo Brandhorst bestätigt, dass nach Abschluss des Vertrags mit dem Freistaat Bayern Gespräche mit anderen Interessenten nicht weitergeführt wurden.