Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 108

Die Angst vor dem großen "Holocash"

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War die diesjährige Raubkunst-Konferenz in Vilnius wirklich "der größte Schritt vorwärts seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs", wie der amerikanische Sondergesandte für Holocaust-Fragen, Stuart Eizenstat, verkündete? Das Abkommen mit dem russischen Kulturministerium sehe vor, dass sowjetische Archive und nach Russland verschleppte Akten aus der Nazizeit nach verlorenem jüdischen Kunsteigentum durchsucht werden. Eine neu gegründete Stiftung soll mit Hilfe des Auktionshauses Christie's Privatgelder in Höhe von einer halben Million Dollar nach Russland bringen.

Der Zugang zu den Archiven der Rotarmisten, Geheimdienstler oder Diplomaten - wo Beutekunstjäger die echten Perlen vermuten - ist gesetzlich geregelt und muss bei den zuständigen Behörden beantragt werden. Dies gelte, so der Chef der russischen Delegation in Vilnius, Viktor Petrakow, auch für die verschleppten Nazi-Unterlagen, die vom Föderalen Archivdienst "Rossarchiv" verwaltet werden.

Von Kunstinteressierten wird dagegen vermutet, dass die Mitwirkung Christie's darauf zielt, bei einer möglichen Auktion herrenloser Kunst als Vermittler Kasse zu machen. Die skeptische Haltung westlichen Auktionshäusern und Regierungsvertretern gegenüber fasste ein Moskauer Kulturbeamter in einem Unwort zusammen: "Holocash".

Bildunterschrift: Zuversichtlich: Stuart Eizenstat /