Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 111
Der Dichter im Helldunkel
Von
Museumsehren für Dürrenmatt in Neuchatel
Knapp zehn Jahre nach seinem Tod hat der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt an seinem Wohnsitz in Neuchatel ein eigenes Ausstellungs- und Forschungszentrum erhalten. Charlotte Kerr, Dürrenmatts zweite Frau, hat das erste Wohnhaus und einen Teil des Anwesens dem schweizerischen Bundesstaat zur Verfügung gestellt. Den Erweiterungsbau für sechs Millionen Franken (umgerechnet etwa 7,7 Millionen Mark) entwarf Mario Botta. Dem alten Haus aus hellem Kalkstein und geweißten Wänden ist ein fensterloser, mit schwarzgrünem Schiefer verkleideter Turm zur Seite gestellt. Er verbindet das Wohnhaus mit einem neuen großen Ausstellungssaal. Dem Hellen, Geistigen wollte er das Dunkle, Unbewusste hinzufügen, das Dürrenmatts zum Grotesken neigenden Denken bestimmt habe, erläutert der Architekt.
Der zweigeschossige Ausstellungsbereich mit rund 500 Quadratmetern Fläche stemmt sich mit einer Bogenmauer wie ein Staudamm gegen das steile Gelände. In seinem Innern nimmt er die mythologischen Bilder und Lithografien sowie Text- und Tondokumente des Schriftstellers auf. Nach außen formt der Bogen auf seinem Dach eine Terrasse mit Aussicht auf den Neuenburger See und die Alpen. Ob sich die Räume für Literatur- und Kunstausstellungen eignen, wird sich zeigen, wenn die Profis die ersten Ausstellungen einrichten. Bis Ende 2001 soll das Centre Dürrenmatt dem Patron vorbehalten bleiben und danach über das Sommerhalbjahr für Wechselausstellungen offenstehen.
Centre Dürrenmatt, Neuchsatel, Rue du Pertius-du-Sault 74, Mi-So 11-17, Do bis 21 Uhr. Internet: www.cdn.ch
Bildunterschrift: Dürrenmatt und Charlotte Kerr / Ausstellungssaal im "Centre Dürrenmatt" von Mario Botta /
