Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 111

Direktor durchgepaukt: mittleres Beben um Bürgi

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Politisches Kalkül führt in Basel zur Entscheidung

Die Wahl Bernhard Bürgis zum Direktor der Öffentlichen Kunstsammlung Basel hat in der Stadt ein mittleres Beben ausgelöst. Bürgi, derzeit Direktor der Kunsthalle Zürich, wurde von der Regierung - an der offiziellen Vorschlagsliste der Kunstkommission vorbei - ins Amt gewählt.

Diese hatte eigens eine Findungskommission eingesetzt, um eine Prüfung der Kandidaten vorzunehmen und der Regierung eine Dreierliste vorzuschlagen. In dieser Rangfolge nahm Beat Wismer, Direktor des Aargauer Kunsthauses, den dritten Platz hinter Dieter Schwarz, Direktor des Kunstmuseums Winterthur, ein. Favoritin der Kommission war jedoch Theodora Vischer, die unmittelbar nach Bekanntgabe der Wahl Bürgis als Konservatorin des Museums für Gegenwartskunst, das zur Öffentlichen Kunstsammlung Basel gehört, zurücktrat.

Das Vorgehen der Regierung ist zwar gesetzlich verankert. Immerhin wurde auch die amtierende Direktorin Katharina Schmidt am Votum der Kunstkommission vorbei gekürt. Dennoch sind viele in Basel über das Verfahren empört. Der nun auserkorene Bürgi hatte sich um die Stelle gar nicht beworben. Eines von drei Gutachten über Bürgi stammt von dem Künstler Peter Fischli, mit dem Bürgi gut befreundet ist. Die Kunstkommission durfte Bürgi lediglich eine Viertelstunde befragen und musste sich anschließend darauf beschränken, formaljuristisch Bürgis Wählbarkeit zu attestieren.

Da die fachlichen Qualitäten Bürgis außer Frage stehen und die drei ursprünglichen Kandidaten ebenfalls hohe internationale Reputation genießen, dürfte die politische Situation in Basel ausschlaggebend gewesen sein. Veronica Schaller gehört, wie zwei weitere Kollegen im siebenköpfigen Regierungsrat, der sozialdemokratischen Partei an. Einen der drei bürgerlichen Sitze nimmt der Bruder Theodora Vischers ein. Als Veronica Schaller das Kulturressort im Mai dieses Jahres übernahm, musste sie zudem feststellen, dass ihr konservativer Vorgänger einer Findungskommission zugestimmt hat, in der drei von fünf Mitgliedern Stiftungsräte der Emanuel Hoffmann-Stiftung sind, deren Bestände Theodora Vischer bis zu ihrer Kündigung konservatorisch mit betreut hat. Mit Vischer als Museumsdirektorin wäre Schaller bei jeder heutigen Entscheidung über das Museum einem konservativen Beziehungsgeflecht ausgesetzt gewesen.

Bildunterschrift: Trat zurück: Theodora Vischer / Geht nach Basel: Bernhard Bürgi, neuer Chef der Kunstsammlung /