Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 114

Damenopfer setzt König matt

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Sotheby's-Geschäftsführerin belastet Taubmann

Mit einem Damenopfer endete in New York der zweite Akt des Skandals um die Preisabsprachen zwischen den beiden führenden Auktionshäusern Sotheby's und Christie's (ART 4/2000). Die ehemalige Sotheby's-Geschäftsführerin Diana D. Brooks bekannte sich schuldig, ab 1993 persönlich an den konspirativen Gesprächen mit der Konkurrenz teilgenommen zu haben. Brooks, 50, hofft durch ihre Kooperation mit den Behörden auf Straferlass - maximal drohen ihr drei Jahre Gefängnis.

Die einst mächtigste Frau im internationalen Kunstgeschäft erklärte, "auf Weisung eines Vorgesetzten" gehandelt zu haben. Gemeint ist A. Alfred Taubman, 75, ehemaliger Chairman und Hauptaktionär des Unternehmens. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat ihn als mutmaßlichen Drahtzieher der illegalen Machenschaften im Visier ihrer Ermittlungen.

Unmittelbar nach Brooks' Geständnis erklärte sich Sotheby's bereit, zur Abwendung eines Strafverfahrens gegen das Unternehmen selbst eine Zahlung von 45 Millionen Dollar an den Fiskus zu leisten. Christie's hat dagegen - aufgrund seiner frühen Zusammenarbeit mit den Behörden seit Anfang des Jahres - keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten.

An der Zivilrechtsfront waren die Auktionshäuser bereits Ende September in die Offensive gegangen. Beide haben angekündigt, ihrer durch die überhöhten Gebühren geschröpften Kundschaft insgesamt mindestens 512 Millionen Dollar rückzuvergüten - die Unternehmen waren zuvor von einer Flut in- und ausländischer Schadenersatzklagen überschwemmt worden.

Sotheby's hat seine Hälfte des "Schmerzensgeldes" zu weiten Teilen auf Alfred Taubman abgewälzt. Der Bauunterneher aus Michigan, dessen Privatvermögen auf über 700 Millionen Dollar geschätzt wird, soll allein 156 Millionen Dollar zur Wiedergutmachung beisteuern. Zusätzlich musste sich Taubman bereit erklären, weitere 30 Millionen an die Aktionäre des Unternehmens zu zahlen. Denn die hatten obendrein das Management wegen Geschäftsschädigung verklagt.

Branchenkennern zufolge steht nun der Verkauf von Taubmans Aktienpaket über 63,3 Prozent der stimmberechtigten Anteile kurz bevor. Zu den Top-Interessenten zählt auch Bernard Arnault, Chef des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH/Moït Hennessy Louis Vuitton (ART 10/2000).

Bildunterschrift: Geständig: Diana Brooks / Belastet: Alfred Taubmann /