Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 113

Pioniere ohne Gas und Wasser

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Künstler beleben verlassene russische Kasernen

Die Kasernen sind geschlossen, die Fenster mit Sperrholz vernagelt. Unkraut und junge Birken wuchern zwischen den Gebäuden. Hier und da stößt man auf kyrillische Buchstaben und die Trümmer gesprengter Bunker - das ist alles, was an die 35000 russischen Soldaten und Offiziere erinnert, die bis 1994 in Wünsdorf, 60 Kilometer südlich von Berlin, stationiert waren. Im September jenes Jahres verließen die letzten Truppen der sowjetischen Armee ihr Hauptquartier - aus der verbotenen Stadt wurde eine Geisterstadt.

Ausgerechnet hier sollen sich jetzt Künstler ansiedeln. 18000 Quadratmeter Gebäudefläche will Jürgen Baumann, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Waldstadt Wünsdorf/Zehrendorf, in ein Künstlerviertel verwandeln. Vom nächsten Frühjahr an sollen zwölf ehemalige Kasernengebäude Künstlern aus ganz Europa zur Nutzung oder zum Kauf angeboten werden. Preise von einer Mark fünfzig pro Quadratmeter sind im Gespräch. 80 Bewerber haben sich schon gemeldet.

Von deren Kreativität versprechen sich Jürgen Baumann und der Künstler und Initiator der Idee, Manfred Sieloff, eine weitere Belebung des insgesamt 590 Hektar großen Areals, auf dem heute bereits wieder über 2500 Menschen leben.

Die künftigen Bewohner des ungewöhnlichen Kunstquartiers müssen sich allerdings auf einfachste Verhältnisse einstellen. So gibt es vorerst weder Wasser, Strom noch Gas. Dass auch unter solchen Umständen interessante Arbeiten entstehen können, zeigen die Ergebnisse eines dreiwöchigen Deutsch-Russischen Bildhauersymposiums. Noch bis zum Januar 2001 sind die 27 Skulpturen, Bilder und Objekte auf dem Gelände zu sehen. Danach, so hoffen die Initiatoren, werden hier die neuen Bewohner ihre Arbeiten zeigen.

Bildunterschrift: Kunst statt Kasernen: zerstörte Bunker in Wünsdorf /