Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 122-123

Zwei Reisende

Von Stefan Koldehoff

Axel Hütte/Cees Nooteboom: Kontinente. Schirmer/ Mosel Verlag, München. 156 Seiten mit 34 Farbtafeln. 128 Mark

Man mag kaum glauben, was der Klappentext verrät: Angeblich kennen sich der Düsseldorfer Fotograf Axel Hütte und der Amsterdamer Schriftsteller Cees Nooteboom gar nicht. Möglicherweise sind sie sich nie begegnet - jedenfalls nicht im Paronella Park in Queensland/Australien oder in Tinerhir in Marokko oder in Puerto Escondido in Mexiko. Genau von diesen Orten aber erzählt das Buch, das beide gemeinsam veröffentlicht haben. Es erzählt in Hüttes Fotografien und in Nootebooms Prosatexten und Gedichten.

Wer von beiden sich auf wessen Spur gesetzt hat, ist völlig gleichgültig. "Wir waren auf denselben Kontinenten, aber nicht immer in denselben Ländern", schreibt Cees Nooteboom. "Die Essenz dessen, was wir beide getan haben, ist Reisen und Schauen." Er sei in Hüttes Bilder gereist, Hütte in seine Texte - und irgendwo trafen sich beide. Zwei Menschen haben sich gefunden, die sich in der Bilderflut der Zivilisation das Gespür für den Moment, für die Situation, für ein Gefühl bewahrt haben.

Entstanden ist so einer der schönsten Bildbände dieses Bücherherbstes: ein Buch voller Ruhe und Sehnsucht, voller Glück und Zufriedenheit. Ihm sei, beschließt Nooteboom seine Einführung, "als wäre ich all die Jahre mit jemandem gereist, einem unsichtbaren Gefährten, der wie ich die Stille in der Bewegung gesucht hat, die Orte der Welt, wo die Natur uns vor Augen führt, dass sie vor uns da war und wahrscheinlich auch nach uns da sein wird".

Bildunterschrift: Axel Hütte fotografierte Reisebilder voll Sehnsucht und Ruhe: "Rio Negro II, Brasilien" (1998) /