Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 125
Ein Verehrer zu Besuch
Von Anna Brenken
David Seidner: Im Atelier der Künstler. Knesebeck Verlag, München. 216 Seiten, 207 meist farbige Fotos. 98 Mark
Der Fotograf David Seidner, 1959 in Los Angeles geboren, starb 40-jährig, kurz nachdem er die Arbeit an dem vorliegenden Buch beendet hatte. Der Band wurde zum Vermächtnis eines leidenschaftlichen Liebhabers der Künstler und der Kunst. "Ich verehre Künstler. Sie sind das Salz meiner Erde und das Publikum, dessen Beifall ich suche", bekennt Seidner im Vorwort.
Er hatte sich in sehr jungen Jahren in New York einen Namen gemacht, war in der Szene des Big Apple zu Hause. Seine Texte, die die Atelierfotos begleiten, verraten, dass er mit vielen namhaften Künstlern eng befreundet war. Man schätzte ihn als klugen Gesprächspartner. Nicht nur John Cage, Chuck Close, Roy Lichtenstein, Richard Serra, Jasper Johns und Cy Tombly öffneten ihm ihre Ateliertüren, sondern auch so spröde Künstler wie Louise Bourgeois, Brice Marden, Cindy Sherman und Roni Horn.
Für Kenner der zeitgenössischen, hier mit zwei Ausnahmen auf New York konzentrierten Kunstszene ist das Buch ein großes Vergnügen. Seidner hält sich nicht mit Beschreibung und Deutung der Werke auf. Das können auch andere. Er bietet zwanzig sehr private Porträts, bei denen die Schilderung der Persönlichkeit des Künstlers, seines Ateliers und seiner Arbeitsweise zusammen das Bild ergeben. Dass auf einem Atelierfoto von John Cage noch das Schachbrett zu erkennen ist, an dem der Künstler einst mit Marcel Duchamp saß, dass Louise Bourgeois Kierkegaards "Der Begriff der Angst" als bevorzugte Bettlektüre schätzt, dass der Maler Cy Tombly nie einen Pinsel benutzt, verrät uns der Text. Doch das Meiste ist aus den liebevollen und zugleich diskreten Fotos zu erfahren, dem Lebenswerk David Seidners.
Bildunterschrift: David Seidner bietet persönliche Ansichten: Die amerikanische Künstlerin Cindy Sherman in ihrem New Yorker Atelier /
