Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 140

Kriege und Gelage, Frauen und Fürsten

Von Stefan Koldehoff

Simon Schama: Rembrandts Augen. Siedler Verlag, Berlin. 728 Seiten mit 180 Farb- und 194 Schwarzweiß-Abbildungen. Subskriptionspreis 98 Mark (ab 1.1.2001: 128 Mark)

Das Kunststück, verschiedene Literaturgattungen in einem einzigen Buch zu vereinen, gelingt nur den allerwenigsten Autoren. Der an der New Yorker Columbia-Universität lehrende Kunsthistoriker Simon Schama hat das Experiment gewagt - und es ist gelungen. "Rembrandts Augen" heißt sein ausführlich bebilderter 728-Seiten-Wälzer, der in den Buchhandlungen guten Gewissens als Biografie wie als Kunstgeschichte, als Sozialstudie wie als Roman angeboten werden kann. In einer Sprache, in der nur ganz selten der Wissenschaftler die Oberhand gewinnt, erzählt Schama aus der Sicht des Malers von den Niederlanden des "Goldenen Zeitalters", von Kriegen und Gelagen, von Frauen und Fürsten - und immer wieder vom langen Weg des Malers Rembrandt van Rijn zur Einzigartigkeit. Allein die beeindruckende Schilderung seiner Emanzipation vom großen Zeitgenossen Peter Paul Rubens bildet beinahe ein kleines Buch im Buch.

Auf den Nachweis seiner Seriosität mochte der fesselnde Erzähler Schama dennoch nicht verzichten. Ab und an unterbrechen Fußnoten den Lesefluss, indem sie zum Nachschlagen am Ende des Buches verführen. Ausgezeichnet gelungen ist die Verbindung von Texten und Bildern. Die Gemälde, Zeichnungen und Grafiken Rembrandts und jener Maler, die ihn in seiner Entwicklung beeinflussten, hat der Verlag nicht in einem Tafelteil zusammengefasst; sie stehen an den Stellen, an denen sie im Text beschrieben werden.

Bildunterschrift: Malerfürst des Goldenen Zeitalters: "Rembrandt", Selbstporträt von 1640 /