Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 138

Die kühlen Kuben des Alvaro Siza

Von Peter M. Bode

Kenneth Frampton: Alvaro Siza - Das Gesamtwerk. 620 Seiten, 1000 Abbildungen, davon 300 in Farbe. Deutsche Verlags-Anstalt, München. 248 Mark

Mit dem Sieg der unblutigen "Revolution der Nelken", die das jahrzehntelange diktatorische Salazar-Regime in Portugal beseitigte, begann der Aufstieg Alvaro Sizas zum ersten Architekten seines Landes. Mit ihm durchbrach Portugal seine lähmende kulturelle Isolation und öffnete sich der zweiten Moderne. Siza (Jahrgang 1933) sog das Werk von Le Corbusier, Mendelsohn, Taut, Oud, Stam und Aalto in sich auf, um diese Erfahrungen mit den lusitanischen Traditionen zu konfrontieren. Daraus entstand schließlich die Eigenart seiner Architektur: eine höchst komplexe Geometrie der Raumbildung, die immer wieder für Überraschungen im verschränkten Gefüge der von außen oft streng und verschlossen wirkenden weißen Baukörper sorgt.

Das trotz aller Unterschiedlichkeit geschlossene Werk des Portugiesen dokumentiert umfassend Kenneth Framptons exzellent gestalteter Bildband, der Sizas Arbeiten von 1952 bis 1999 gewidmet ist. Über die Werkschau hinaus analysiert der Autor aufs Gründlichste die jeweiligen Qualitäten der wichtigsten Bauten. Dazu gehören das Zentrum für zeitgenössische Kunst in Santiago de Compostela, die Architekturfakultät der Universität in Porto - und der portugiesische Expo-Pavillon von 1998 in Lissabon, dessen hauchdünnes Betonsegel zwischen den Fassaden zu den elegantesten Meisterleistungen Alvaro Sizas zählt.

Bildunterschrift: Geschult an Le Corbusier: Museum für zeitgenössische Kunst in Porto - ein streng geometrischer Bau des Portugiesen Alvaro Siza /