Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 136
Erfundene Innenansichten
Von Ruth Hndler
Stefanie Schröder: Ein starkes, verwundetes Herz - Niki de Saint Phalle. Ein Künstlerleben. Verlag Herder, Freiburg. 240 Seiten. 38 Mark
Zahlreiche Publikationen gibt es über die Künstlerin Niki de Saint Phalle, die als Schöpferin der prallen, bunten Nanas weltweit Popularität erlangte und in diesem Jahr mit dem hoch dotierten Praemium Imperiale ausgezeichnet wurde. Auch sie selbst hat in Ausstellungskatalogen und Büchern über ihre Arbeiten geschrieben, Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend veröffentlicht, 1972 den Film "Daddy" über das Trauma des sexuellen Missbrauchs gezeigt und das Beziehungsdrama mit dem Bildhauer Jean Tinguely, dem engsten Gefährten in der Kunst und im Leben, in einer Bildergeschichte verarbeitet.
Allein auf diese Zeugnisse stützt sich das Buch über Leben und Werk der 70-jährigen Künstlerin. Von den frühen Schießbildern, mit denen die Autodidaktin aus großbürgerlichem Milieu sich ins Zentrum der Pariser Avantgarde-Bewegung der Nouveaux Realistes katapultierte, bis zum Großprojekt des toskanischen Tarotgartens bekommt man zwar einen Überblick über das Gesamtwerk, doch der psychologisierende Grundton der Huldigung an eine lebende Künstlerin, die diese frei fabulierende Schilderung ihrer Gefühle, Gedanken und Träume nicht autorisiert hat, berührt unangenehm.
Bildunterschrift: Mit popfarbigen, drallen Frauenplastiken - ihren berühmten Nanas - errang die französische Künstlerin Niki de Saint Phalle Weltruhm: "Schutzengel" von 1997 /
