Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 138
"De Stijl" 2000
Von Kerstin Schweighfer
KERSTIN SCHWEIGHÖFER, ART-Korrespondentin in Amsterdam, schreibt über neue Architektur in den Niederlanden
Nach Schriftstellern wie Harry Mulisch oder Cees Nooteboom, deren Werke sich seit der Frankfurter Buchmesse 1993 größter Beliebtheit erfreuen, hat Deutschland nun auch die junge Architektengeneration der Niederlande entdeckt. Mit unkonventionellen, spektakulären Bauten konnte sie sich in den letzten zehn Jahren die internationale Aufmerksamkeit sichern. Angefangen bei Wegbereiter Rem Koolhaas, der vor kurzem mit dem angesehenen Pritzkerpreis ausgezeichnet wurde, über Mecanoo, die den sozialen Wohnungsbau von seinem Mauerblümchendasein befreiten, bis hin zu MVRDV mit ihrem Sandwichgebäude aus gestapelten Landschaften auf der Expo in Hannover, feiern die Niederlande die Renaissance von "de Stijl".
Gleich zwei Bücher widmen sich nun diesem Phänomen: In "Neue niederländische Architektur - Superdutch" erklärt der Autor Bart Lootsma anschaulich, wie in den Niederlanden aus Raum- und Geldnot, mit staatlichen Förderungsmaßnahmen und dank einer größeren gesellschaftlichen Empfänglichkeit für alles Neue und Unbekannte ein idealer Nährboden für junge Talente entstanden ist. Im Hauptteil werden die wichtigsten Vertreter und ihre Bauten vorgestellt, darunter Wiel Arets, Neutelings Riedijk oder die Landschaftsarchitekten West 8. Auch Designkünstler wie Joep van Lieshout, der eng mit Koolhaas zusammenarbeitet, fehlen nicht.
Dieselben Namen tauchen in dem von Hans Ibeling herausgegebenen Buch "Die Gebaute Landschaft" wieder auf, das 130 Projekte mit Fotos, Plänen und Texten dokumentiert. Es bietet weitere Hintergrundinformationen, so geht es unter anderem ausführlich auf die spezifischen Probleme des Bauens am Wasser ein. Eine Auswahl wichtiger Rezensionen gibt zum Abschluss einen Einblick in die aktuelle niederländische Architekturdiskussion.
Das Bestreben, möglichst viele Elemente zu berücksichtigen, geht allerdings zu Lasten der Übersichtlichkeit. Wer ohne Vorwissen in die niederländische Architekturszene einsteigen will, tut sich hier schwer. Ihm ist mit dem übersichtlichen, klar gestalteten Handbuch "Superdutch" besser gedient.
- Bart Lootsma: Neue niederländische Architektur - Superdutch. Deutsche Verlags-Anstalt, München. 264 Seiten mit 300 Abbildungen, davon 200 in Farbe. 98 Mark
- Hans Ibelings (Hrsg.): Die Gebaute Landschaft. Zeitgenössische Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau in den Niederlanden. Prestel-Verlag, München. 304 Seiten mit 580 Abbildungen, davon 80 in Farbe. 86 Mark
Bildunterschrift: Sandwich: niederländischer Pavillon zur Expo 2000 des Architekten-Teams "MVRDV" /
