Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 108

Moneten, Mätzchen und Motoren

Von

Amerikanisch-russische Ehe

Es hatte alles so vielversprechend angefangen und nun droht es dürftig zu versanden. Der Fünfjahresplan, den die New Yorker Guggenheim-Stiftung und die St. Petersburger Eremitage im Sommer ausgehandelt hatten (ART 8/2000), betonte das sich ergänzende Profil beider Häuser. Während die Klassiker durch das Guggenheim-Netz auf Reise gehen, hält die Moderne zusammen mit amerikanischem Geschäftssinn Einzug in eines der größten Museen der Welt. Die angereisten Amerikaner gaben sich von der Verbrüderung mit dem traditionsreichen Haus an der Newa beeindruckt - wäre da nicht jene peinliche Runde gewesen, die der motorradbegeisterte Guggenheim-Direktor Thomas Krens auf einer Harley-Davidson ausgerechnet am Palastplatz vor der Eremitage drehen musste.

Höhepunkt der Begegnung war eine eintägige Rallyefahrt, bei der die Deutschen als Zulieferer weltbekannter bayerischer Motorräder dabei sein durften - "aus Freude am Fahren".

Nun sind dank finanzieller Unterstützung der Münchner einige Bilder Andy Warhols in der Eremitage zu sehen. Die Bajuwaren ließen auch das 1979 popartgemäß verzierte "Art Car" der US-Ikone Warhol einfliegen und parkten es inmitten der anderen Ausstellungstücke. Zum Dank (oder zum Test) erhielt Eremitage-Direktor Michail Piotrowski für ein Jahr eine nagelneue Luxuslimousine, die er in seiner Garage neben das andere, vor Jahren vom russischen Staat zur Verfügung gestellte, schwäbische Spitzenklasse-Modell stellen darf.

Das amerikanische Jahr der Russen endet in der (nordamerikanischen) Wüste. Bei der aktuellen und erst recht bei der geplanten ständigen Eremitage-Präsenz im Las-Vegas-Kasino hört die Nachsicht auf. Hier wird das Haus in eine unakzeptable Trivialwelt versetzt und das Kulturerbe als Event vermarktet. Schade um ein großes Museum, das Museumswesen überhaupt - und höchste Zeit für eine Kurskorrektur.

Bildunterschrift: Andy Warhols "Art Car" (1979) /