Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 108

Matisse und Cezanne treffen auf Einarmige Banditen

Von

Guggenheim und Eremitage stellen im Kasino aus

Die Gondeln schippern durch die Shopping-Mall, die Rialtobrücke führt direkt in die Tiefgarage: Im Frühjahr 2001 eröffnet im "Venetian Hotel" inmitten der glitzernden Spieler-Oase von Las Vegas das New Yorker Guggenheim Museum nach Bilbao und Berlin die nächste Dependance. Das Hotel-Kasino mit seinen 3036 Zimmern und 2500 Einarmigen Banditen zählt seit 1999 zu den Hauptattraktionen in der Wüste von Nevada und gibt sich in puncto Architektur ganz "alla Venezia".

Das neue "Guggenheim Las Vegas", gebaut nach Entwürfen des niederländischen Architekten Rem Koolhaas, bietet auf dem Gelände des Hotels 6370 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Ab Sommer kommenden Jahres werden dort internationale Wanderausstellungen zu sehen sein. Den Auftakt bildet "Die Kunst des Motorrads", eine Schau, die bereits 1998 im New Yorker Stammhaus des Guggenheim Museums zum Publikumsrenner geworden war.

In der Lobby des Hotels sind 700 Quadratmeter für die vereinbarte Zusammenarbeit zwischen dem Guggenheim Museum und der St. Petersburger Eremitage reserviert. Je zwanzig ihrer Meisterwerke zeigen die beiden Häuser ab nächstem Frühjahr, darunter Werke von Pablo Picasso, Paul Cezanne, Henri Matisse und Marc Chagall.

Eremitage-Direktor Michail Piotrowski versucht bereits mit verstärkter Pressearbeit, Kritiker der Guggenheim-Kooperation zu beruhigen: "Wir planen im Gegenzug für 2003 in St. Petersburg eine Übersichtsschau zu 300 Jahren amerikanischer Kunst." Zum transkontinentalen Kulturaustausch äußert er sich allgemein zuversichtlich: "Die bringen uns McDonald's - wir bringen denen die Eremitage und das Kirow-Ballett."

Bildunterschrift: "Venetian Hotel" in Las Vegas /