Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 107

Guggenheim, Albertina und Eremitage im Mönchsberg

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Salzburg holt alte Museumspläne wieder aus der Schublade

Geplant wird in Salzburg seit mehr als einem Jahrzehnt. Begonnen hatte alles mit Überlegungen des Wiener Architekten Hans Hollein, der im Felsmassiv des Mönchsbergs ein 12000 Quadratmeter großes Museum versenken und mit Kunst aus Guggenheim-Beständen füllen wollte. Als sich das Projekt als zu teuer erwies, wurde umgeplant: Nun soll für rund 43 Millionen Mark das ehemalige Casino zum "Museum der Moderne am Mönchsberg" (MaM) umgebaut werden - geplanter Baubeginn: Februar 2001. Eine Etage der 6270 Quadratmeter großen Gesamtfläche ist für die private Gemäldesammlung vorgesehen, die der in Liechtenstein lebende Rechtsanwalt und Treuhänder Herbert Batliner als Leihgabe zugesagt hatte - Werke von Monet, Modigliani und Cezanne über Nolde und Kandinsky bis zu Picasso, Klein und Rothko.

Inzwischen allerdings scheint an der Salzach wieder einmal alles offen: Batliner ist verärgert über Geldwäsche-Vorwürfe gegen ihn, fordert Solidaritätsadressen aus Salzburg und sieht sich "aus mehreren Gründen derzeit nicht in der Lage, die Absichtserklärung in eine fixe Zusage umzuwandeln". Zeitgleich zogen ausgerechnet die ehemaligen Gegner des Projektes plötzlich wieder die alten Guggenheim-Pläne als die besseren aus der Tasche.

"Die Guggenheim-Stiftung ist nach wie vor bereit, den Plänen von Hollein zu folgen", bestätigt Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Wiener Albertina und zugleich enger Batliner-Vertrauter. "Sie kann sich ein Guggenheim-Museum in Salzburg heute allerdings nur noch dann vorstellen, wenn es gleichzeitig von ihr, von der Albertina und von der Sankt Petersburger Eremitage bespielt wird. Außerdem müssen das Land und der Bund jeweils ein Drittel der 1,6 Milliarden Schilling (rund 230 Millionen Mark) für den Bau übernehmen". Den MaM-Plänen müsse das nicht entgegenstehen: "Nach Aussagen der zuständigen Politiker lässt sich beides finanzieren."

Einer hat aus dem jahrelangen Hin und Her inzwischen Konsequenzen gezogen. Peter Weiermair, Direktor des Salzburger Landesmuseums Rupertinum, dessen moderne Abteilung mit ins MaM einziehen soll, geht im Januar nach Bologna. "Was da zur Zeit geschieht", kommentiert er, "läuft auf Museen hinaus, die mit populären Ausstellungen nur noch Teil der Unterhaltungsindustrie sind. In Wien hat sich dieser Populismus mit Klimt und Monet und Kirchner schon lange durchgesetzt. In Salzburg möchte ich mein Leben nicht in derselben Sackgasse beschließen."

Bildunterschrift: Aus der Sammlung Batliner: Beckmanns "Frau mit Katze", 1942 / Wird das ehemalige Casino zum neuen Museum der Moderne? / Sammler Herbert Batliner / Direktor Peter Weiermair /