Ausgabe: 12 / 2000
Seite: 6

Kirche ohne Kunstverstand

Von

"Sakrament und Spitzenhäubchen" - Rita Imwinkelried über einen Monsignore in Rom, der sich von Sterbenden mit Kunst versorgen ließ (Journal 11/2000)

Da erteilt ein Monsignore adeligen Damen auf dem Sterbebett die Absolution und nimmt als private Gegengabe deren Kunstsammlungen an, die für den italienischen Staat von nationaler Bedeutung sein dürften. Und den Carabinieri sind die Hände gebunden - der Gottesmann wohnt ja im Vatikan und kann dort mit den erschlichenen Werken machen, was er will. Früher einmal waren der katholischen Kirche künstlerische Höchstleistungen zu verdanken. Heute muss man froh sein, dass Michelangelos "Pieta" noch nicht bei Sotheby's versteigert wird.

Als der Vatikan für das Jubeljahr 2000 ein Parkhaus brauchte, haben die Klerikalen erst einmal klammheimlich auf ihrem Hoheitsgebiet ein paar antike Stanzen einreißen lassen. Für den frommen Zweck hatte die Heidenkunst zu weichen. Statt dessen müssen Besucher der Vatikanischen Museen durch eine entmutigende Sammlung zeitgenössischer Kirchenkunst marschieren - bestimmt nicht erschlichen, da ohne jede ästhetische Qualität.

Antonia Venturi, Marburg