Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 139

Zwölf Meisterwerke auf Pappe zierten kahle Betonwände

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Leipziger Museum: Schnelle Kopien als Schnäppchen

Der neue Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste beweist Fantasie, wenn es darum geht, seinen mageren Ankaufsetat aufzupäppeln. Anlässlich eines von der Kommune veranstalteten "Tages der offenen Baustelle", bei der auch der Rohbau des neuen Museums auf dem Sachsenplatz (ART 1/1998) erstmals zu besichtigen war, ließ Hans-Werner Schmidt von seinen Restauratoren zwölf beliebte Meisterwerke der Sammlung kopieren.

Die in Öl auf Pappe inklusive Rahmen gemalten "Nachempfindungen" wurden, nachdem sie auf den kahlen Betonwänden für einen ersten Eindruck künftiger Pracht gesorgt hatten, am Abend nach dem Prinzip "Fälschungen für Originale" öffentlich versteigert. Der Erlös soll für Neuanschaffungen des Museums verwandt werden. Wilhelm Leibls (1844 bis 1900) zartes "Bildnis der Frau Apotheker Rieder" aber brachte gerade einmal 105 Mark, eine Landschaft von Fritz von Uhde (1848 bis 1911) 230 Mark. Mehr Kauflust weckten da schon die Niederländer: Der "Mulatte" von Frans Hals (um 1583 bis 1666) ging für 560 Mark weg, eine Genreszene von Gerard van Honthorst (1592 bis 1656) für 470 Mark.

Fast wie im richtigen Auktionsleben schlugen jedoch die Expressionisten die Alten Meister um Längen: Otto Muellers (1874 bis 1930) "Liebespaar" kostete als Kopie 700 Mark, Oskar Kokoschkas (1886 bis 1980) "Genfer Seenlandschaft II" 760 Mark und Max Beckmanns (1884 bis 1950) "Teppichhändlerº - 1993 für 1,6 Millionen Mark für die Sammlung erworben - erzielte auf Wellpappe noch den Rekorderlös von 1040 Mark.

Mit dem Gesamtergebnis der Auktion von 5230 Mark ist man im Museum hoch zufrieden und plant eine Wiederholung mit höherwertigen Fälschungen auf Leinwand. Die Restauratoren jedenfalls, so war zu erfahren, haben ihr neues Aufgabenfeld im Dienste des Hauses mit viel Ehrgeiz und Spaß in Angriff genommen.

Bildunterschrift: Restaurator als Kopist: Rüdiger Beck vor doppeltem Honthorst /