Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 139
Großes Gefühl für Hannover
Von
Niki de Saint Phalle beschenkt das Sprengel Museum
Ausgerechnet Hannover, die spröde, expogebeutelte Niedersachsen-Metropole, erweckt bei Niki de Saint Phalle "a very special feeling". Es muss ein großes Gefühl sein, denn immerhin entschloss sich die französische Künstlerin (ART 10/1999), weit über dreihundert ihrer Arbeiten dem Sprengel Museum zu schenken. Direktor Ulrich Krempel zeigt sich hoch erfreut: "Kein zweites Haus in Deutschland vermag einen so lückenlosen Überblick über das Werk von Niki de Saint Phalle zu bieten, wie wir das nun können!"
Die üppige Schenkung der inzwischen im kalifornischen San Diego lebenden 70-jährigen Malerin und Bildhauerin umfasst frühe, selten ausgestellte Gemälde, dazu die mit Messern, Nägeln und Drähten gespickten Assemblagen der sechziger Jahre, ebenso die spektakulären Schießbilder - großformatige Reliefs, die Saint Phalle mit Gewehrpatronen und Pistolenkugeln traktierte - und natürlich die drallen, üppig bunten Nana-Figuren, die sie weltberühmt machten.
Dass die Nana, diese Gestalt gewordene Frauenpower, sich auf breiter Basis durchsetzen konnte, dazu hat Hannover einen wichtigen Beitrag geleistet. Nachdem Niki de Saint Phalle bereits 1969 im hannoverschen Kunstverein eine Ausstellung zeigen konnte, errichtete sie vier Jahre später drei monumentale Nanas am Hohen Ufer. Die Hannoveraner reagierten erst einmal empört. 20000 protestierten mit ihren Unterschriften gegen die provokanten Skulpturen. Doch die Verantwortlichen der Stadt standen zur Künstlerin und zu ihrer Kunst. Es war eine "Schlacht", wie Niki de Saint Phalle heute sagt, aus der am Ende die Nanas als Siegerinnen hervorgingen. Damit hatte Hannover sich einen Platz im Herzen der Französin erobert. Und als die Stadt sich 1999 entschloss, drei Grotten in den renovierten Herrenhäuser Barockgärten neu auszustatten, kam selbstverständlich nur Niki de Saint Phalle in Frage. 2001 soll Eröffnung sein.
Doch so glücklich Hannover und Ulrich Krempel über die Schenkung sind, die in der Ausstellung "La Fete" (19. November bis 25. Februar) im Sprengel Museum präsentiert wird, so gibt es doch ein Problem: "Wir können nur einige Arbeiten von Niki de Saint Phalle in unsere Schausammlung integrieren", erklärt der Museumschef. Der Rest wandert ins Lager. Und weil sich die teilweise über zwei Meter hohen Skulpturen "ja nicht zusammenfalten lassen" denkt Krempel schon über ein neues Außendepot nach.
Bildunterschrift: Niki de Saint Phalle / Soll Hannover schmücken: Nikis "Nana-Haus II" (1966/87) /
