Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 148

Zwischen Stadt und Tal

Von

Beat Stutzer: Alberto Giacometti Stampa - Paris. Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich. 256 Seiten, 140 Abbildungen, davon 40 in Farbe. 68 Mark

Das Bergell ist ein enges Schweizer Bergtal, in das im Winter kein Sonnenstrahl vordringt. Paris war die Metropole der Kunst der Moderne, in der sich bis zum Surrealismus Tendenzen und Stile jagten. Zwischen beiden Orten pendelte Alberto Giacometti, aus beiden Wurzeln zehrt sein Werk. Er wurde 1901 in Graubünden geboren, 1922 ging er nach Paris und wanderte bis zu seinem Tod 1966 zwischen dem heimischen Stampa und der vibrierenden Großstadt. Dennoch wurde dieses Spannungsverhältnis bisher nicht näher untersucht, sieht man einmal von ein paar Bemerkungen ab, die James Lord in seiner Biografie des Künstlers gemacht hat, als er von "zwei Albertos" sprach.

Das Zitat stellt Beat Stutzer denn auch an den Anfang seines Aufsatzes, mit dem er den Band "Alberto Giacometti Stampa - Paris" einleitet. Das Buch will allerdings das Werk des Schweizer Bildhauers und Malers nicht in zwei geografische Teile zerlegen. Es führt, im Gegenteil, den Nachweis, wie die verschiedenen Impulse von Land und Stadt, von alpiner und moderner Welt von Alberto Giacometti zusammengeführt wurden, um sein Bild der brüchigen, von vielen Widersprüchen getragenen menschlichen Existenz zu entwickeln. Seine Mutter Annetta, Ateliers und Interieurs, Bäume und Landschaften der beiden so verschiedenen Lebensschwerpunkte liefern dem Künstler dazu das Material. Ein schönes Buch, das die diskutierten Werke abbildet und in den Textbeiträgen von Beat Stutzer und Donat Rütimann eher anregen will, als das Thema abschließend zu behandeln.

Bildunterschrift: "Landschaft bei Stampa" malte Alberto Giacometti 1952 /