Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 148
Freund der Künste und der Künstler
Von
Hannes Rettich: Zwischen Kunst und Politik. Erinnerungen eines musischen Bürokraten. Hohenheim Verlag, Stuttgart. 260 Seiten. 39,80 Mark
Er war, so meinte sein ehemaliger Dienstherr Lothar Späth, "der einzige Beamte, der sich eine Landesregierung gehalten hat": Der promovierte Theaterwissenschaftler und Jurist Hannes Rettich hat fast 30 Jahre die Kulturpolitik des Landes Baden-Württemberg mitgestaltet. Unter drei Ministern zog er in der Kunstabteilung, deren Leiter er 1974 wurde, die Strippen hinter den Kulissen und bewährte sich als Dolmetscher und Krisenmanager zwischen Regierenden und Künstlern. 1988 ernannte Ministerpräsident Späth den parteilosen Rettich zum Kunstkoordinator des Staatsministeriums, der dort in der Hochkonjunktur der Kulturpolitik die vielbeachtete Kunstkonzeption des Landes herausgab und Neugründungen wie die Akademie Schloss Solitude oder das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) auf den Weg brachte.
Rettich ist ein Mann, der viel zu erzählen hat, und entsprechend vergnüglich lesen sich seine Erinnerungen.
Doch die Loyalität des Beamten und seine Absichtserklärung, sich nicht in die aktuelle Politik einmischen zu wollen, haben die Memoiren um die nötige Würze gebracht. Kritik hat der sonst so meinungsfreudige hier sorgfältig zwischen den Zeilen versteckt.
Angesichts der Kompetenzstreitigkeiten am Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie in der Ära nach Heinrich Klotz kann man Hannes Rettichs Credo nur bedingt zustimmen, "dass im Kulturbereich die Personen wichtiger als die Strukturen" seien.
