Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 148

Fundus der flüchtigen Aktionen

Von

Rudolf Frieling, Dieter Daniels für das Goethe-Institut und das ZKM Karlsruhe (Hrsg.): Medien Kunst Aktion. Die 60er und 70er in Deutschland. 251 Seiten, 30 Abbildungen. / Medien Kunst Interaktion. Die 80er und 90er Jahre in Deutschland. 294 Seiten, 47 Abbildungen. Beide Bände Springer Verlag Wien. Einzelbände inklusive CD-ROM 98 Mark; im Set 140 Mark. / Kai-Uwe Hemken (Hrsg.): Bilder in Bewegung. Traditionen digitaler Ästhetik. DuMont Buchverlag, Köln, 240 Seiten. 55 Abbildungen. 49,90 Mark

Nichts bewegt sich schneller als die neuen Medien, nichts altert dabei so rasch. Und auf Nimmerwiedersehen verschwindet, was nicht mehr den aktuellen Standards der digitalen Welt entspricht. Gerade noch rechtzeitig also haben sich Rudolf Frieling und Dieter Daniels daran gemacht, vierzig Jahre Medienkunst in Deutschland aufzuarbeiten. Nach dem vor drei Jahren herausgekommenen Band "Medien Kunst Aktion", der sich den sechziger und siebziger Jahren widmet, ist jetzt der zweite Teil "Medien Kunst Interaktion" erschienen, der bis zur Jahrtausendwende reicht.

Beide Publikationen kommen als Doppelpack von Textsammlung und CD-ROM: Hier sind Aufsätze und Künstlerstatements zusammengeführt, dort finden sich Ton- und Videosequenzen, Fotografien und Ausschnitte aus interaktiven Projekten mit kurzen und präzisen Erläuterungen und Einordnungen. Auch wenn die Navigation im Datenmeer nicht ganz einfach ist, ergibt sich so ein kostbarer Fundus der flüchtigen Aktionen aus Fernsehen, Galerien oder dem Netz, die sich oft erst im Nachhinein als wegbereitend herausgestellt haben. Die Arbeit wird fortgeführt. Unter www.goethe. de/medienkunstnetz sammeln Frieling und Daniels weiter aktuelle Links zu Internetprojekten.

Während sich Frieling und Daniels an die Realien der Kunstproduktion halten, versucht Kai-Uwe Hemken in seinem Sammelband den Traditionen digitaler Ästhetik in der Kunsttheorie nachzugehen. Das Grundrauschen der Medien-Diskurse bleibt dabei stets vernehmbar. Seine weit gefächerte Essay-Sammlung greift zurück bis zum Klassizismus und voraus bis zu Ansätzen einer systematischen Netzkunst-Geschichtsschreibung, widmet sich dem Computerspiel und der Genese des Wechselspiels von Text, Bild und Bewegung seit der Moderne. Warum aber von dem in diesem Zusammenhang fast unvermeidlichen Peter Weibel ein historischer Text aus den achtziger Jahren abgedruckt wird, der seitenweise längst gelöste Probleme der Computertechnik referiert, bleibt rätselhaft.

Bildunterschrift: Video-Arbeit von Pipilotti Rist: "Selfless Bath of Lava" (1994) /