Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 145
Fotograf empört über Geschäfte mit seinem Jugendwerk
Von
Urheberrechtsklage gegen Barbara Kruger
Als der deutsche Fotograf Thomas Höpker, 64, Ende Juli durch den Schilderwald an Manhattans 42. Straße schlenderte, kam ihm die Welt plötzlich ganz klein vor: "It's a small world", prangte da von einem fünf Stockwerke hohen Plakat, "aber nicht, wenn man sie putzen muss." Das Stoffbanner zeigte eine der bekanntesten Arbeiten der amerikanischen Konzeptkünstlerin Barbara Kruger. Die Riesen-Reproduktion war anlässlich einer Retrospektive zum Werk der 55-Jährigen im New Yorker Whitney Museum of American Art werbewirksam an der berühmten Amüsiermeile platziert worden.
Das Foto zum Text freilich stammt von Höpker: "Das ist meine Cousine Charlotte!", entrüstet sich der nahe New York lebende Münchner. Die markante Aufnahme war 1959 entstanden und anschließend mit deutlicher Angabe des Urhebers in der Zeitschrift "Photo Prisma" erschienen. "Zu keinem Zeitpunkt hat Barbara Kruger mich um Erlaubnis gebeten, das Bild für ihre Arbeit verwenden zu dürfen", so Höpker. "Den Spruch auf meinem Foto finde ich im Übrigen auch nicht besonders intelligent."
Anfang September reichte der Fotograf eine Copyright-Klage ein - gegen Kruger, ihre New Yorker Galeristin Mary Boone und das Whitney Museum. Dort nämlich wird das Motiv inzwischen kräftig vermarktet. Für jede Verwendung seines Bildes - vom T-Shirt bis zum Kühlschrank-Magneten - hat Thomas Höpkers Anwalt eine klare Preisvorstellung: 100000 US-Dollar. Während Höpker mitteilte, seine Cousine sei "verwirrt und verärgert" bei dem Gedanken, ihr Konterfei "mache nun in Zeitungen, Ausstellungen und auf Plakaten die Runde", gab ein Sprecher des Museums eine lapidare Auskunft: Er glaube, dass Höpkers Klage gegen das Museum der falsche Schritt sei.
Bildunterschrift: Höpker-Foto von 1959 und Krugers "It's a small world" (1990) /
