Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 143

Sakrament und Spitzenhäubchen

Von

Vatikan: Kunstwerke bei Hausdurchsuchung entdeckt

Greisen Damen aus der römischen Aristokratie leistete Monsignore Michele Basso auf der Reise ins Jenseits bevorzugt spirituellen Beistand. Als Gegenleistung für sein segensreiches Wirken ließ der Seelenhirte sich von den Damen noch vor deren Ableben mit Kunstwerken und anderen Wertgegenständen beschenken.

Ans Licht kamen die dunklen Machenschaften des frommen Kirchenmannes, der wegen des Verdachts finanzieller Manipulationen ins Visier der römischen Staatsanwaltschaft geraten war, bei einer Hausdurchsuchung. Die Wohnung des Geistlichen entpuppte sich dabei als eine wahre Schatzkammer. Dutzende alter Gemälde, zahlreiche etruskische und attische Vasen sowie antike Gold- und Silberobjekte listeten die Beamten auf. Alles war säuberlich mit vom Vatikan abgestempelten und notariell bestätigten Echtheitszertifikaten versehen. Gefunden wurden Werke, die Giovanni da Bologna und Giovanni Francesco Barbieri gemacht haben sollen, eine Skulptur ist gar Michelangelo zugeschrieben.

Doch damit nicht genug: Monsignore hatte offenbar einen weltlichen Kumpanen: Angelo Malannino. Dem wird vorgeworfen, als Geistlicher verkleidet, ebenfalls bei reichen, betagten Damen in Norditalien abgesahnt zu haben. Gemeinsam hatten Malannino und Basso ihre Beute zum Verkauf angeboten.

Um zu den falschen Zertifikaten zu kommen, soll sich der echte Priester - ausgestattet mit Stempel und Briefbögen - mit zwei Notaren verbündet haben. Die nötigen Beweise herbeizuschaffen, wird für die Staatsanwaltschaft jedoch schwierig sein. Denn alle Dokumente samt den betreffenden Kunstwerken befinden sich auf dem Gelände des Vatikans - für die römische Staatsanwaltschaft also im "Ausland" - und können deshalb für eine genaue Untersuchung nicht ohne weiteres beschlagnahmt werden.