Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 141

"Die haben doch ihren Beuys schon nicht kapiert"

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Ackermans-Sammlung wird aus Kleve abgezogen

Heinz und Simone Ackermans ziehen ihre Sammlung vorzeitig aus dem Museum Kurhaus in Kleve zurück. Zum 1. Februar 2001 wurde der erst 1996 für 15 Jahre geschlossene Leihvertrag gelöst. Mit ihm hatte sich das 1997 eröffnete (ART 4/1997) kommunale Museum neben seiner Sammlung mittelalterlicher Kunst und dem Nachlass des Bildhauers Ewald Matare (1887 bis 1965) eine kleine, aber exquisite Abteilung internationaler Kunst seit 1960 gesichert geglaubt. Das Sammlerehepaar (ART 5/1998), unterdessen vom Niederrhein ins kunstsinnige London übergesiedelt, möchte seine weiter kräftig gewachsene Kollektion nun jedoch lieber andernorts konzentrieren. "Unsere Idee war es, Kunst in die Provinz zu tragen", resümiert Heinz Ackermans die offiziell in bestem Einvernehmen geschiedene Liaison mit dem Museum. "Heute bin ich der Meinung, dass sie dort nicht hinpasst." Kleve habe schließlich "schon seinen Beuys nicht kapiert."

Für das Museum wird der Verlust an zeitgenössischer Kunst indes kaum auszugleichen sein: "Den Boltanski-Raum kann ich nicht ersetzen, auch nicht die Installation von Reinhard Mucha", sagt Direktor Guido de Werd. "Ein Haus unserer Größe kann so etwas nicht nachkaufen." Überrascht hat ihn der Sinneswandel der Leihgeber aber nicht: Schon vor der Eröffnung des Hauses hatte es Ärger mit der Hängung der Werke gegeben. Immer wieder musste er außerdem anfragen, ob er die per Vertrag für Ackermans reservierten 660 Quadratmeter beschneiden dürfe, um Sonderausstellungen zeigen zu können. Zwei Drittel der rund sechzig Leihgaben blieben aus Platzgründen im Depot. Schon 1999 hatten Ackermans deshalb ihre verwaiste Villa "Haus Fürstenberg" im nahen Xanten zum Privatmuseum umgebaut, wo sie ihre neueren Erwerbungen zeigen - darunter raumgreifende Installationen von Juan Munoz, Katharina Fritsch und Rachel Whiteread. Allerdings ist auch dieses noble Domizil inzwischen ohnehin zu klein - und den ehrgeizigen Sammlern zu abgelegen. Künftig soll es als "Forum für junge Kunst" geführt werden. Für den Verbleib seiner über hundert Werke hat Heinz Ackermans bis jetzt "keinen Plan", aber Träume: "London wäre die Ideallösung."

Bildunterschrift: Simone und Heinz Ackermans / Arbeiten von Kounellis und Merz im Museum Kurhaus in Kleve /