Ausgabe: 11 / 2000
Seite: 143

Vorwürfe gegen Exil-Chinesen: "Außen gelb und innen weiß"

Von

Akademie von Sichuan will wegen Biennale-Arbeit klagen

Zur Zeit findet in China eine große Auseinandersetzung über die Rolle von Kunst und Künstlern statt", erklärt sichtlich zufrieden Biennale-Direktor Harald Szeemann. Auslöser dieser Diskussion ist das 1999 mit dem goldenen Löwen der Biennale von Venedig ausgezeichnete Werk "Pachthof" von Cai Guo-Qiang.

Der 43-jährige Exil-Chinese, der in Japan ausgebildet wurde und nun in New York lebt, hatte nach Fotovorlagen eine Installation mit 114 lebensgroßen Figuren nachgebildet. Das ursprüngliche "Pachthof"-Ensemble war 1968 von chinesischen Künstlern und Laien auf einem ehemaligen Herrensitz im Kreis Dayi (Provinz Sichuan) in Ton modelliert worden. Die monumentale Skulpturengruppe mit realistisch wirkenden Darstellungen von armen Bauern, darbenden Kindern und unbarmherzigen Grundherren sollte kommenden Generationen die Schrecken des Feudalismus vor Augen führen.

Teils aus Lehm, teils aus Draht formte Guo-Quiang gemeinsam mit Helfern während der letzten Biennale diese Figuren nach. Das sei eine Copyright-Verletzung und überdies eine Huldigung an den inzwischen auch in China verpönten Maoismus, entschied die Leitung der Kunstakademie von Sichuan und will nun gegen den Künstler, die Biennale Venedig und ihren Direktor Harald Szeemann klagen.

Chinesische Kunststudenten indes nahmen die "Pachthof"-Affäre zum Anlass, eine öffentliche Diskussion über die Rolle der Künstler in der Gesellschaft in Gang zu bringen. Die lokale Presse dagegen wettert gegen den China-Auswanderer Guo-Qiang: Sein Werk sei das Produkt eines "banana man", außen gelb und innen weiß.

Bildunterschrift: Figur aus dem "Pachthof"-Ensemble (links, 1968) und die Biennale-Installation (1999) /