Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 113
Drei Bürotürme, aus dem Koffer gezaubert
Von Peter M. Bode
Städtebau: Der "Medienhafen" in Düsseldorf
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Die ist freilich nur bedingt gelungen. Geboten wird mehr oder weniger Mainstream mit gelegentlichen Abweichungen: ein bißchen rund, ein bißchen schräg, aber meistens doch schlicht geradeaus. Das Eigenwillige hält sich in Grenzen - trotz so klingender Architektennamen wie David Chipperfield (London), Stephen Holl (New York) und Claude Vasconi (Paris). Bürofassaden bleiben eben Bürofassaden. Selbst Helge Achenbachs repräsentativen Galerieräumen direkt am Kai würde der Besucher ihre besondere Bestimmung nicht ansehen, hinge da nicht großformatige Kunst an den Wänden des Art Consultant.
Zaha Hadid (London) und Peter Eisenman (New York) sollten ursprünglich auch mit von der Partie sein, um dem ambitionierten Quartier noch mehr internationalen Glanz zu verleihen. Aber der Exzentriker Eisenman konnte sich nicht mit dem MalerJörg Immendorff einigen, der hier ein Haus mit eigenem Atelier und seinem "Café Deutschland" plante. Und die noch exzentrischere Irakerin Hadid kam mit den bewilligten Baukosten nicht klar. Das komplizierte Fundament für ihren Entwurfeines vielfingrig gespreizten Komplexes auf dem Filetgrundstück am Yachthafen wäre denn doch zu teuer geworden.
Also schwenkte der agile Werbemann Thomas Rempen, zusammen mit der Firma Philipp Holzmann AG Bauherr des Areals, zu Frank O. Gehry um. Der kalifornische Stararchitekt, Erbauer des Guggenheim Museum im spanischen Bilbao (ART 6/1997), reiste zur Präsentation seines Entwurfs mit einem Koffer an, in dem sich 60 eigenartig geformte Modellklötzchen befanden. Daraus komponierte er den "Neuen Zollhof `, drei nicht minder eigenartige Gebilde, und übertrug sie per Computer in technisch realisierbare Zeichnungen.
Entstanden ist eine dreifache Figuration mit sieben, elf und 13 Geschossen, ein wie durch Zellteilung gewuchertes, organisch wirkendes Konglomerat unterschiedlich hoher Türme. Alles befindet sich in dynamischer Bewegung und beständigem Wechsel. Die Außenwände sind gewellt, gebaucht gezackt, geneigt, gefaltet. Auch die Farben und das Material der Fassaden wechseln immer wieder: von hellem Putz über weiche Schindeln aus Edelstahlblech bis zur geklinkerten Mauertapete. Auf den Architekten Gehry sei er gekommen, begründet der Bauherr Thomas Rempen seine Wahl, weil "seine Räume Höhlen sind, in denen man sich tierisch wohlfühlt".
Fertiggestellt ist bislang jedoch nur der mittlere Bau, in dem roter Teppichboden das heitere Ambiente prägt. Wenn allerdings Flächen abgeteilt werden müssen, damit daraus Zimmer werden, verlieren die offenen Geschoßebenen ihre Großzügigkeit und ihren fließenden Charakter.
Dafür gewinnen die Fenster, außen wie innen, durch ihre außerordentlich tiefen Laibungen _ schräg ausgeklappte Kästen aus Stahlblech - eine eigene räumliche und plastische Qualität. Der Effekt erinnert an das Gefühl von Geborgenheit, das von den Fensternischen mittelalterlicher Burgen ausgeht: Auch bei Gehry sitzt man gern am Fenster und schaut nach draußen_ diesmal auf den Düsseldorfer Hafen. Peter M. Bode
