Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 116
Der lockere Pinselstrich verriet den Meister
Von
Kopie: Rembrandt-Porträt im Mauritshuis Den Haag
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Tatsächlich handelt es sich um eine sehr gut erhaltene Kopie des Selbstporträts aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Vermutet wird, daß jemand aus der nächsten Umgebung von Rembrandt dem Meister nacheiferte. Zur Vorbereitung der großen Ausstellung "Rembrandt-Selbstporträts", die im Sommer 25 gemalte Selbstporträts des Niederländers erst in London und dann in Den Haag zeigen wird, wurden alle Werke einer genauen Untersuchung unterzogen. Experten konnten das umstrittene Bild aus dem Mauritshuis dabei erstmals direkt mit dem Nürnberger Porträt konfrontieren und beide Holztafeln vergleichen.
Unter der Haager Kopie entdeckten die Fachleute mit Hilfe von Röntgen- und Infrarotaufnahmen eine Zeichnung, die vollkommen mit der Position der Figur auf dem Nürnberger Bild übereinstimmt. Beim Malen wurde dann aber die Komposition dieser Zeichnung verändert, der Kopf etwas nach rechts oben versetzt. Bislang ist aber noch bei keinem echten Rembrandt-Gemälde eine solche Vorzeichnung bekannt. Außerdem wurde der Pinsel auf dem Nürnberger Bild viel lockerer und damit rembrandttypischer geführt. Eine dendrochronologische Analyse des Bildträgers ergab, daß das Haager Bild um 1629 oder 1630 entstanden sein muß, also fast zur gleichen Zeit wie das echte Rembrandt-Gemälde.
Die Untersuchungsergebnisse sollen im Rahmen der Ausstellung "Rembrandt-Selbstporträts" der Öffentlichkeit präsentiert werden, Im Mauritshuis trägt man den Verlust des bislang schönsten Rembrandt-Selbstbildnisses mit Fassung: "Natürlich müssen wir uns daran gewöhnen, daß es kein Rembrandt mehr ist", so Kustos Peter van de Ploeg, "aber es ist und bleibt eines unserer Topstücke." Kerstin Schweighöfer
