Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 117

LeWitts Zeichnung paßte nicht mehr ins renovierte Haus

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Streit: Haager Gemeindemuseum vernichtet Installationen

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Im Rahmen einer eingreifenden Renovierung wurden sämtliche baulichen Veränderungen rückgängig gemacht. Das Gebäude sollte wieder ein "echter Berlage" werden - da mußten die Malereien weichen und mit ihnen gleich noch drei weitere Konzeptkunst-Werke von Lawrence Weiner, Niele Toroni und Günter Tuzina.

Die Museumsleitung hängte den Verlust nicht an die große Glocke, und im Taumel der Festfreude bei der feierlichen Wiedereröffnung im letzten Herbst fiel er zunächst auch niemandem auf. Dann aber informierte die Tageszeitung "de Volkskrant" den Künstler telefonisch über das Schicksal seines Werkes - und prompt brach über das Museum eine Woge der Entrüstung herein: "Unakzeptabel! Das hätte ich nicht erwartet!" schimpft LeWitt und bezichtigt das Museum des Wortbruchs: "Wall drawing 373 wurde als permanente Installation angekauft und nicht für kurze Dauer gemacht." Niederländische Kunsthistoriker sprechen gar von einem "historischen Verlust", ein Museumsbau dürfe nie wichtiger sein als seine Kunstwerke. "So geht man nicht mit Kunst um, das ist ethisch unverantwortlich", wettert Evert van Straaten, Direktor des Kröller-Müller-Museums in Otterlo und Vorsitzender der "Stiftung zur Erhaltung moderner Kunst". Auch Rudi Fuchs, bis zu seinem Wechsel zum Stedelijk Museum nach Amsterdam Direktor des Haager Gemeindemuseums, meldete sich zu Wort: "Ich teile das Erstaunen des Künstlers." Sein Nachfolger Hans Locher gibt zu, daß er es versäumt hat, LeWitt vorher zu informieren, will das Werk aber keinesfalls erneut anbringen: "Es paßt einfach nicht mehr in unser neues Museum", erklärt Pressesprecherin Marion Seegers. Damit sei jedoch keinesfalls ein Kunstwerk vernichtet worden, denn es gehe ja um Konzeptkunst: "Solange wirdie Pläne und Anweisungen bewahren, bleibt auch das Konzept erhalten und das Werk kann jederzeit neu realisiert werden." LeWitt sieht jedoch in dieser Argumentation einen gefährlichen Präzedenzfall und erwägt juristische Schritte: "Jedes Kunstwerk beruht auf einem Konzept. Wenn das ein Argument wird um Kunst zu zerstören, ist kein Kunstwerk mehr sichert" Kristin Schweighöfer