Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 122

Das Gemälde als Pinnwand?

Von

Roberto Cassanelli (Hrsg.): Künstler werkstätten der Renaissance. Benziger Verlag, Zürich/Düsseldorf. 336 Seiten mit 348 Abbißungen. 198 Mark

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Nun ist Irren menschlich, und Übersetzer werden schlecht bezahlt. Bliebe es bei der einen Panne, wäre darüber kein Wort zu verlieren. Aber es bleibt nicht dabei: Falsche Bezüge, verdruckte Jahreszahlen, Verwechslungen und unvollständige Sätze verdichten sich, von keinem Lektor angetastet, stellenweise zu reinem Unsinn. Die Macht wird zum Markt, ein Städtchen zur Burg, Herr Gabriele zu Frau Gabriela, und statt des Polyptychons für die Pisaner Carmine-Kirche soll Masaccio ein "Bildnis des Politikers Carmine di Pisa" gemalt haben.

Schade um das interessante Thema der Künstlerwerkstätten, schade um die Arbeit der beteiligten Forscher, schade auch um die guten Farbtafeln - ein Text, dem man nicht trauen kann, ist selbst in seinen besseren Teilen unbrauchbar. Die Hast, mit der dieser letzte Band einer auch sonst problematischen Reihe auf den Markt geworfen wurde, hat ihn zum editorischen Desaster gemacht.

Andere Verleger sollten jetzt nicht unbedacht in Hohngelächter ausbrechen: Wer nicht an den Lektoren spart, werfe den ersten Stein. Boris Hohmeyer