Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 76-78

Wie der Sahnebecher ans Museum kam

Von Manfred E. Schuchmann

Manchmal rümpfen Kollegen die Nase - doch fest steht: Jean-Christophe Ammann, 60, versteht es, Geldgeber für die Kunst zu finden. Sein Frankfurter Museum für Moderne Kunst profitiert davon

Zehn Jahre ist es jetzt her, daß die Kunst in die Deichtorhallen am Hamburger Hafen einzog. In zwei ehemaligen Markthallen bietet die Stadt seither Ausstellungsflächen von insgesamt 6000 Quadratmetern. Mehr als 60 Ausstellungen wurden gezeigt; bereits im vergangenen Jahr hatten mehr als eine Million Menschen den großzügigen, lichten Ort am Ende der Hamburger Kunstmeile besucht.

Das Jubiläum ist Anlaß einer Bilanz in Buchform: In 13 Aufsätzen gibt sie Einblick in die bisher geleistete Arbeit mit großangelegten Retrospektiven von Künstlern und Architekten, Themenschauen oder der Präsentation privater Sammlungen.

Die Herausgeberin Belinda Grace Gardner und der seit 1991 amtierende Leiter der Deichtorhallen, Zdenek Felix, lassen vor allem Künstler zu Wort kommen, die sich mit dem Thema Raum auseinandersetzten, In einem Gespräch befragt der Amerikaner Robert Morris die Beziehung der Körper im Raum; Installationskünstler Ilya Kabakov erläutert seinen "Lesesaal", den er 1996 in der Südhalle einrichtete. Der Architekt Josef Paul Kleihues beschreibt den Umbau der ehemaligen Markthallen, die Kuratorin Noemi Smolik befragt die Malerei im Zeitalter technisch reproduzierbarer Abbilder, und der kanadische Künstler Jeff Wall erzählt, wie er sich von Gemälden zu inszenierten Fotografien inspirieren läßt.

Zusammengekommen ist ein Potpourri an Themen, das ehereiner Festschrift als einer nüchternen Bilanz gleicht. Wer die eine oder andere Ausstellung vor Ort gesehen hat, dürfte besonders an den Künstler-Interviews Gefallen finden, Sabine Kunz