Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 84-85
Farbräume voller Glut und Geheimnis
Von Robert Fleck
Paris: Mark Rothko Das Musée d'Art Moderne de la Ville zeigt eine Retrospektive des amerikanischen Malers
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Das städtische Museum für moderne Kunst in Paris - einzige europäische Station der großen amerikanischen Rothko-Retrospektive - bietet Gelegenheit, in die mystische Bilderwelt des zornigen Melancholikers einzutauchen: 70 Gemälde, chronologisch angeordnet, zeichnen die Entwicklung des Künstlers nach - von den Figurenbildern der dreißiger Jahre bis zu den letzten, in stumpfen Tönen gemalten Werken, die in den Monaten vor seinem Selbstmord im Februar 1970 entstanden.
Marcus Rothkowitz, Sohn russischer Emigranten, landete im August 1913 in New York. 37 Jahre später - er nannte sich inzwischen Mark Rothko - war aus dem häufig kränkelnden, sensiblen Knaben einer der wichtigsten amerikanischen Maler geworden. Begonnen hat er seine Laufbahn mit expressionistisch anmutenden Arbeiten. Anfang der vierziger Jahre faszinierte ihn die klassische Mythologie; auch die Begegnung mit dem Surrealismus wirkte sich auf seine Arbeit aus. Immer entschiedener reduzierte er seine Bildersprache, immer stärker setzte er auf die Kraft der Farben. Schicht für Schicht, hauchdünn, trug er sie auf die gespannte Leinwand. Jede Farbe so lange, bis eine Lage die vorige getilgt hatte - doch von jeder blieb ein schimmernder Rand.
1958 begann Rothko, seine Idee einer reinen Malerei, die "das Drama des Menschseins" ausdrücken sollte, in großen Raumkompositionen zu verwirklichen. Die Pariser Ausstellung zeigt dank einer Sonderleihgabe der Tate Gallery in London vier Gemälde aus einem Bilder-Ensemble, das der Maler für das Restaurant "Four Seasons" im New Yorker Seagram-Gebäude begonnen hatte. Von Zweifeln geplagt, legte Rothko, der eine vollkommene Verschmelzung von Bild und Raum anstrebte, den Auftrag 1959 nieder.
Gebeutelt von Depressionen, Alkohol und ständigen Beziehungsproblemen zog er sich im Januar 1969 in sein New Yorker Atelier zurück. Alle Farbe, alle Glut war aus seinen Bildern gewichen. Rothko begann eine Reihe von schwarz-grauen Gemälden; betont beiläufig und nachlässig pinselte er die tristen und schmutzigen Farben auf den Grund. Für Jean-Louis Andral sind es Zeugnisse eines verlorenen Kampfes: Diese letzten Werke zeigten, so betont der Kurator der Schau, wie sehr der Maler "mit der Angst vor dem Dunkel stritt". Zur Ausstellung (bis 18. April), unterstützt von Pinault-Printemps-Redoute, erscheint ein 292 Seiten starker Katalog zum Preis von 295 Franc.
