Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 88-89

Premiere für eine junge Kollektion

Von Angelika Kindermann

Leipzig: Sammlung Falckenberg Im Museum der bildenden Künste gibt der Hamburger Sammler Einblick in seine Kollektion

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In einer ehemaligen Fabrikhalle am Hamburger Flughafen präsentierte der Sammler dem Besucher zudem Gemälde von Martin Kippenberger, Alben Oehlen und Werner Büttner, dazu Arbeiten der Amerikaner Paul McCarthy und Mike Kelley. Spätestens da stand für den Mann aus Leipzig fest: Diese Kollektion mußte er in seinem Museum zeigen.

Mit dem Angebot einer Ausstellung, so gesteht Falckenberg, habe Guratzsch ihn "kalt erwischt". Erst vor sechs Jahren hatte der Kunstfreund mit einer Arbeit des Amerikaners Bill Beckley den Grundstein zu seiner 250 Werke umfassenden Sammlung gelegt; in der Öffentlichkeit waren bislang nur einzelne Leihgaben zu sehen.

"So eine Ausstellung", erklärt Falckenberg, "bedeutet ja eine Zäsur, ein Wagnis und vor allem viel, viel Arbeit." Die richtige Auswahl zu treffen - nur gut ein Drittel der Sammlung kann auf rund 700 Quadratmetern in Leipzig ausgestellt werden - war die schwierigste Aufgabe. Denn trotz aller Reduzierung und Zuspitzung soll die nach einem Bild von Richard Prince "My Way" betitelte Schau den Aufbau und inneren Zusammenhang der Kollektion deutlich machen.

Was Falckenberg begeistert, ist neuere zeitgenössische Kunst aus Europa und den USA, "die mit unserer Gesellschaft, unseren Problemen, unserer Geschichte zu tun hat". Seine Leidenschaft gilt den "Nachfolgern Marcel Duchamps und der Dadaisten", die mit ihren Werken originell, frech, ironisch, böse, fesselnd und immer"dicht an der Realität" sind. Die ungewöhnliche Inszenierung des Gewöhnlichen fasziniert ihn, die einfache und doch überzeugende Form, der freche Mix der Medien, das Zusammenspiel von Schrift, Zeichen, Bildzitaten und Übermalungen, In den Galerien von Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, ebenso in London, Wien und New York wurde er fündig.

"Viele meiner Arbeiten haben andere gleichsam herausgefordert", sagt Falckenberg. Die Bilder des Neodadaisten Kippenberger etwa, so erläutert er, verlangten nach einer Konfrontation mit den provozierenden Objekten Kelleys, zu Warhol "mußte" ein C. O. Paeffgen. Er liebt es, Positionen einander gegenüberzustellen, sie zu verschieben, zu ergänzen oder zu pointierenund manchmal gönnt der Mann sich einfach nur puren Augenschmaus: "Die Bleibilder von Günther Förg, die passen nicht ganz in die Sammlung", räumt er ein, "aber ich fand sie sehr, sehr schön!" Angelika Kindermann Bis 28. Februar. Sammlungskatalog (Oktagon-Verlag. Köln), 230 Seiten, 55 Mark, im Buchhandel 68 Mark.