Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 91-92

Wein und Hopfen zum Lob Gottes

Von Sigrid Nebelung

Köln: Himmelslicht

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Zum Finale des Kölner Domjubiläums zeigt das Schnütgen-Museum in der benachbarten Josef-Haubrich-Kunsthalle gotische Glasmalerei, wie sie sich seit der Grundsteinlegung des Doms um 1248 bis zum Jahr 1349 entwickelte, als die Ausstattung des Hochchores vollendet wurde. Eine so umfangreiche Glasfenster-Schau hat es noch nie gegeben: Rund 100 Fenster sind zu sehen. 20 davon stellte der Kölner Dombaumeister Arnold Wolff zur Verfügung - und bewirkte so, daß auch andere Kirchen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz Leihgaben beisteuerten.

Die Kunsthalle hat sich für die Dauer der Schau in eine imaginäre Kathedrale mit Mittelschiff und zwei schmaleren Seitenschiffen mit Kapellen verwandelt. Bei guten Lichtverhältnissen kann der Besucher die erlesene Glaskunst bewundern, kann handwerkliche Perfektion, Feinheit der Zeichnung und Zauber der Ornamentik so unmittelbar erleben wie sonst nur die Experten auf ihren Gerüsten in schwindelnder Höhe.

Die gotische Architektur war Sinnbild des Himmlischen Jerusalem auf Erden; die gotischen Fenster symbolisieren das göttliche Licht. Die Kölner Schau führt vor Augen, wie sich Demut in Bürgerstolz wandelt und die Baukunst allmählich selbst zum Bildmotiv wird: Wimperge, Fialen und spitze Türme mit Strebewerk bekrönen etwa die "Muttergottes mit Kind unter einem Architekturbaldachin" (1280/90) aus dem Westfälischen Landesmuseum in Münster. Zu Füßen der Gottesmutter kniet _ noch in bescheidener Größe - einer der Stifter des Fensters. Ein halbes Jahrhundert später war es mit solcher Zurückhaltung vorbei: Unter dem Medaillon der "Heiligen Klara" (1340) aus der Klosterkirche Königsfelden in der Schweiz sind die Stifter schon so groß dargestellt wie die Heilige selbst.

Doch es gab auch asketische Gegenströme. Das Generalkapitel vom Orden der Zisterzienser bestimmte etwa, daß Kirchenfenster "weiß und ohne Kreuze und Bilder sein" sollten - in den Klosterkirchen von Altenberg und Haina entstanden deshalb Fenster aus weißlich-grünem Glas, die nur mit stilisierten Pflanzen geschmückt sind: Wein und Hopfen, Ahorn und Efeu, Beifuß und Bilsenkraut ranken sich zum Lobe Gottes. "Himmelslicht", Josef-Haubrich-Kunsthalle, Köln, bis 7. März, Katalog 64 Mark.