Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 91
Brückenschlag rund um die Uhr
Von Fiona Ehlers
Celle: 24-Stunden-Museum
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Mit schillernden Persönlichkeiten schmückt sich das Museum auch nach Feierabend. Sobald das Deckenlicht erlischt und die ständige Sammlung mit Joseph-Beuys-Multiples und abstrakten Gemälden schließt, erstrahlen in der Fassade 14 Lichtskulpturen von zehn europäischen Künstlern. "Das erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt" nennt der hannoversche Galerist und Sammler Robert Simon sein neues Konzept; den Namen hat er sich rechtlich schützen lassen. Er will Kunst rund um die Uhr zeigen, nicht nur im geschützten Innenraum, wo der zahlende Besucher abgeschieden von der Außenwelt die auf Sockel gehobenen Arbeiten abläuft, sondern auch draußen vor der Tür, einsehbar für jedermann.
Was nach Effekthascherei klingt, funktioniert: Aus den Fenstern strahlen Neon-Mobiles, Skulpturen aus Glühlampen und fluoreszierenden Materialien. In der transparenten Architektur ist die Trennung zwischen Außen und Innen aufgehoben, die Werke werden sinnlich erfahrbar.
An der linken Fassade überrascht Francesco Mariottis "Quantenlandschaft" den vorbeieilenden Passanten. Auf jede Bewegung reagieren bunte Leuchtdioden-Meeresrauschen und Möwenschreie erklingen. Nebenan das "Morsealphabet" der Österreicherin Brigitte Kowanz, eine gewitzt-ästhetische Verknüpfung von Malerei und Lichtkunst. Mit 26 Leuchtstofflampen, auf denen sie j eden Buchstaben mit Strichen und Punkten darstellt, erinnert sie an den Kunstmaler Samuel Morse - der durch sein Funker-Alphabet berühmt wurde.
Im Innenraum wird dann das Licht selbst zum Werkstoff der Kunst. Die "Corona Borealis" (1965) von Otto Piene läßt den musealen Raum zum Teil der Lichtskulptur werden: In immer neuen Konstellationen blitzen 500 zu einer Kugel zusammengesetzte Glühlampen auf und reduzieren die Wandgemälde auf Farbe, Form und Bewegung. So reagieren die Tag- auf die Nachtstücke - zwischen Celler Schloß, Stadtkirche und jeder Menge Fachwerk gelingt der Brückenschlag zur Computerkunst. Fiona Ehlers "Das erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt", Sammlung Robert Simon im Bomann-Museum, am Tag: 10-17 Uhr, bei Nacht: 17-10 Uhr, bis 31 . Dezember 1999. Katalog 29 Mark.
