Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 3

Liebe Leserin, lieber Leser

Von Axel Hecht

EDITORIAL

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Dieses Engagement kennt - auch im internationalen Vergleich - kein Beispiel. Entsprechend staunen denn auch ausländische Beobachter, die uns Deutschen nach der Vereinigung häufig zu Recht Kleinmut, Bedenkenträgerei und Halbherzigkeit vorgehalten haben. Jetzt zeigen die Deutschen, daß ihnen über Wessi-Pragmatismus und Ossi-Melancholie der Blick aufs Wesentliche nicht gänzlich abhanden kam - und Kultur ist wesentlich.

Neben der Außenwirkung wird das von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth nachhaltig unterstützte Programm aber auch starke Konsequenzen für das Binnenklima haben. Die Politik definiert ihr Verhältnis zur Kunst neu. Dieser Akt war dringend notwendig, schließlich erinnern sich die meisten von uns noch daran, wie ein deutscher Bundeskanzler glaubte, Künstler öffentlich als "Pinscher" abqualifizieren zu dürfen. Das, die Hoffnung scheint nun berechtigt, wird sich so bald nicht wiederholen.

Auch die Maler und die Bildhauer haben ihre Haltung zum Staat und seinen Repräsentanten überdacht, und so mancher, der anfangs argwöhnte, hier werde von ihm vorrangig Dekoration der Macht erwartet, hat sich dann doch beteiligt.

Noch ist von der Kunst nur wenig zu sehen, doch vieles gewinnt bereits Kontur - Anlaß für die Redaktion, in einem Report die Hintergründe und selbstverständlich auch die unvermeidlichen Konflikte zu schildern (ab Seite 22).

Stellvertretend für alle anderen führten wir mit dem Maler Georg Baselitz, dessen Gemälde für den Reichstag bereits das Atelier verlassen haben, ein Gespräch (Seite 10), das den Künstler in nachdenklicher Offenheit zeigt. Der Schriftsteller Günter Grass hat in einem Essay für ART einmal behauptet, man könne die Qualität eines Staatswesens auch daran messen, wie es mit seinen Künstlern umgeht. In Berlin, das zumindest steht schon heute fest, ist die Kunst von der Politik erwünscht und nicht bloß geduldet. Ihr [Text nicht OCR-lesbar]