Ausgabe: 02 / 1999
Seite: 6
K.O.-Schlag für die Stadtgalerie
Von
"Der Landeshauptstadt droht die ,kulturelle Verdorfung"' - Sabine Kunz über Pläne, die Stadtgalerie Kiel in ein minderwertiges Quartier abzuschieben (12/ 1998)
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Hans-Joachim Mayr, München Mit Bedauern habe ich Ihren Artikel über den Umzug der Kieler Stadtgalerie gelesen. Als damaliger Mitarbeiter des Kulturamts der Stadt Kiel habe ich erlebt, wie die städtische Galerie im seinerzeit neu erbauten Sophienhof ihre schönen und geeigneten Räume beziehen konnte. Der Sophienhof war und ist nicht nur räumlich für die Galerie gut geeignet, sondern auch ein idealer Standort. Denn so kann im Einkaufszentrum und in Bahnhofsnähe Kunst auch solchen Publikumskreisen nähergebracht werden, die sonst beim Shoppen oder im Bahnhofsbereich andere Dinge suchen.
Aus meinen heutigen Erfahrungen als Museumsdirektor kann ich nur bedauern, daß hier offenbar aufgrund kurzfristiger und kurzsichtiger Überlegungen für die Galerie eine gravierende Verschlechterung vorgesehen ist, und möchte mich insofern dem Protest der Schweriner Kollegen anschließen. Es wäre schön, wenn die Verantwortlichen in Kiel ihre Entscheidung noch einmal überprüfen könnten, zumal sie auch rein betriebswirtschaftlichen Überlegungen nicht standzuhalten scheint. Dr Urs Diederichs, Deutsches Werkzeugmuseum Remscheid Die Kieler Stadtgalerie hat sich in den letzten Jahren in der deutschen Kunstszene durch Ausstellungen aktueller Kunst aus dem Ostseeraum bis nach Skandinavien und ins Baltikum einen angesehenen Namen gemacht. Neben der Kunsthalle prägte sie das kulturelle Bild der Landeshauptstadt, die sonst neben ihren Schwestern in den alten und neuen Bundesländern in dieser Hinsicht nur ein Aschenbrödel ist. Die Architektur der Stadtgalerie, nicht nur preisgekrönt, sondern für die Aufnahme zeitgenössischer Kunst durch die hohen Wände und die Lichtführung prädestiniert, war für die Wirkung ihrer Ausstellungen maßgebend. Ausstellungskataloge in ganz Deutschland zeigten immer wieder die großartige Wirkung zeitgenössischer Kunst in diesen Räumen. Der grandiose Blick auf den Hafen gab der Kunst ihren aktuellen Bezug. Nun wird die Stadtgalerie plattgemacht. Ein Oberbürgermeister der SPD erkennt nicht, daß ein Kulturstandort auch ein Wirtschaftsstandort ist und daß das Ansehen einer Landeshauptstadt auch vom Ansehen ihrer Kulturinstitute abhängt. Eine Kulturmeile zwischen Stadtgalerie und Kunsthalle, die sich an einem Welthafen entlang erstreckt und nach der sich andere Städte die Finger lecken würden, wird zunichte gemacht. Nach dem Umzug in die Backsteinkaserne eines provisorischen Rathauses sagen wir Museumskollegen in Süddeutschland, die wir die schleswig-holsteinische Museumsszene bestens kennen, der Stadtgalerie eine Zehnjahresfrist voraus, bis sie sich von diesem K.o.-Schlag erholt haben wird.
Dr. Axel Feuß Wissenschaftlicher Direktor des Museums Ostdeutsche Galerie, Regensburg
