Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 130

Hoffnung bis zum Schluß

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Die Straße, an der er sterben sollte, hat er noch selbst fotografiert: Da rollen Panzerwagen über die staubige Piste, ein grausam zerstückelter Kämpfer der Vietminh liegt am Wegesrand die Soldaten der französischen Expeditionskorps im Indochinakrieg nehmen kaum Notiz von ihm. Stunden später, am 25. Mai 1954, lag auch Robert Capa zerfetzt in einem Reisfeld: Der in Budapest geborene Foto-Reporter der New Yorker Zeitschrift "Life", Mitbegründer der Agentur "Magnum" hatte sich einer Einheit der europäischen Kolonialmacht angeschlossen, um an die Front zu gelangen; als die Kolonne halten mußte, war er ein paar Schritte beiseite gegangen. Da lag die Mine.

Ein sinnloser Tod - genau wie all die vielen, die er gesehen und mit der Kamerafestgehalten hatte: in Mexiko und in China, im besetzten Paris 1944, in Leipzig und Berlin 1945. Robert Capa hat den Krieg fotografiert: eines seiner Bilder " der Milizionär imspanischen Bürgerkrieg, aufgenommen im Augenblick seines Todes - wurde weltweit zum Inbegriff von Grausamkeit und Kälte. Wenn je Fotografien etwas bewirken können, dann solche. Cornell Capa sammelte und ordnete den Nachlaß seines Bruders und wählte 170 ausrund 70000 Negativen aus - berühmte Aufnahmen, wie die Landung der Alliierten in der Normandie am D-Day, dem 6. Juni 1944, und bislang unveröffentlichte Fotografien. Bilder vom Schrecken des Krieges und solche, in denen die Sehnsucht des Reporters nach Menschlichkeit deutlich wird: Ein amerikanischer Sanitäter verbindet einen verwundeten Deutschen,chinesische Kinderspielen im Schnee, PabloPicasso empfängt Freunde in seinem Atelier, um die Befreiung von Paris zu feiern. So wird aus den Dokumenten der Zeitgeschichte auch das Psychogramm eines Mannes, der alles gesehen hat, doch bis zum Schluß die Hoffnung nicht auf gab. Martin Tschechne