Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 9

Der Sarg zeigt, was im Leben von Bedeutung war

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Seinem Onkel baute er einen Sarg, der aussah wie ein Boot, für Taxifahrer entwarf er ein letztes Ruhebett in Form eines Mercedes-Benz - die ungewöhnlichen Särge des Kane Kwei ( 1927 bis 1992) aus dem Fischerdorf Teshi in Ghana führen vor Augen, womit der Verblichene zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Der Bauer, der Zwiebeln anbaute, wird in einer Holz-Zwiebel begraben, der Fischer geht im bunten Fisch auf letzte Fahrt. Um 80000 Cedis (in Ghana fast der Jahresverdienst eines Bauern) kosten die Figuren-Särge, die inzwischen von den Söhnen und Neffen Kane Kweis gebaut werden. Wie der Erfinder der funktionalen Skulpturen arbeiten auch seine Nachfolger ohne Skizzen. Umrisse für schwierige Einzelteile werden direkt auf das Holz gezeichnet, die ausgesägten Stücke zusammengenagelt, gehobelt, geschmirgelt und bemalt. Sechs Sargmodelle von Kane Kweis Sohn Samuel sind jetzt in der Stuttgarter ifa-Galerie ausgestellt (bis 17. Mai), umrahmt von Fotos, die der Franzose Thierry Secretan bei Beerdigungen in Ghana aufgenommen hat. Besondere Attraktion der Schau ist eine Installation von Nam June Paik. Der Koreaner drapierte um einen Mercedes-Sarg aus der Werkstatt der Familie Kwei Pflanzen, Monitore und einen im Vogelkäfig gefangenen Globus.