Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 6

Nicht die Spur einer Ähnlichkeit

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"Ein Mißverständnis - und daher unausrottbar", so steht es bei Kurt Tucholsky. Das trifft leider auch auf den sehr verdienstvollen Artikel von Gerd Presler über die Berliner Malerin Jeanne Mammen zu. Dem Autor ist allerdings keine Schuld anzulasten, er hat nur den Fehler übernommen, der seit 1991 durch die Literatur geistert und auf eine unglückliche Bemerkung in Annelie Lütgens' grundlegender und sonst höchst informativer Monografie ",Nur ein paar Augen sein...' - Jeanne Mammen "eine Künstlerin in ihrer Zeit" zurückgeht.

Das Ölbild "Revuegirls", das auf Seite 46 farbig abgebildet und auf den Seiten54/55 näher erläutert wird, ist ein Doppelbildnis, doch kein Doppelporträt. Es stellt einen in aufreibender Berufsarbeit verschlissenen und trotz der feschen Aufmachung fast abgewrackten Frauentyp dar, der, wie die Bildlegende richtig anmerkt, die "Oberflächlichkeit und Gefühlskälte des Großstadtlebens" zum Ausdruck bringt. Da gibt es - man sehe nur die Sattelnase und die Hakennase! _ nicht die Spur eine Ähnlichkeit mit Jeanne Mammen und ihrer Schwester Marie Louise, ja der Gedanke, die Malerin könnte ihresgleichen mit solchen kaltschnäuzigen Typen identifizieren, ist in höchstem Grade absurd. Lothar Klünner, Jeanne-Mammen - Gesellschaft Berlin