Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 130
Ein Denkmal für den Freund
Von
"Ich unschuldige mich, das es unmöglich wurde ihnen bilder von Italien zu schicken. Sie wurden alle verkauft", schrieb Asger Jorn im November 1957 in seinem charmanten Dänendeutsch an Otto van de Loo. Der hatte kurz zuvor seine Galerie in München eröffnet und den Künstler, den er in Paris kennengelernt hatte, eingeladen, 1958 bei ihm auszustellen.
"Ich habe dann", schrieb der Däne weiter, "einen idee gehabt. Ich hoffe, dass es wird ihnen gefallen, dass ich nach Münschen fahre um die bilder zu mahlen. Ich konnte mich dann von die Münscheneratmosphere inspirierer, und es möchte für mich sehr bedeutungsvoll sein einmal so ein wenig in Münschen zu leben." So kam es. Van de Loo besorgte einen Arbeitsraum stellte Malutensilien, Farben und Leinwände, Jorn traf am 27. Dezember ein _ "Ich hoffe, dass es wird ihnen nicht zu unangenehm sein mich über neujahr zu haben" -, und damit begann eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Galerist und Künstler, die bis zum Tod Jorns im Jahr 1973 anhielt und schnell zu einer herzlichen Freundschaft gedieh. 146 Ölbilder, daruntereine Reihe von Hauptwerken, hat Jorn während seiner zahlreichen Aufenthalte in Bayerngemalt, stets umsorgt von van de Loo und dessen Familie. Jorn knüpfte in München auch zahlreiche Kontakte mit anderen Künstlern, mit Hans Platschek etwa oder den Mitgliedern der Gruppe "Spur". Erwurde Mitglied der "Situationistischen Internationale" - und aus dem Rebellenverein wieder ausgeschlossen, als er sich in einem Streit auf van de Loos Seite schlug. Der legt nun in berechtigtem Stolz einen sehr schönen Band vor, in dem alle in München entstandenen Gemälde aufs feinste reproduziert sind - unentbehrlich für jede künftige Arbeit über Jorn. Neben gewichtigen Beiträgen zur Kunst des Malberserkers, der als Vordenker der antiformalistischen Avantgarde gilt, enthält das Buch eine mit vielen Fotos angereicherte Dokumentation der München-Aufenthalte, akribisch erarbeitet von der Kunsthistorikerin Pia Dornacher. Besonders anregend sind Auszüge aus den Briefen des Künstlers, deren offene undliebenswürdige Sprache nicht nur Anlaß zum Schmunzeln, sondern auch Einblicke ins Denken des charismatischen Menschen Asger Jorn gibt. Alfred Welti
