Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 122
Ein Ort der Andacht für entführte Deckengemälde
Von
Vor 26 Jahren baute die Kunstmäzenin Dominique de Menil in Houston eine Kapelle für die mystischen Wandgemälde von Mark Rothko (ART 7/1996), jetzt ließ sic nach Entwürfen ihres Sohnes Francois de Menil eine zweite Kapelle für die byzantinischen Fresken aus dem 13. Jahrhundert errichten, die 1983 in den Besitz der texanischen Familie gekommen waren.
Damals waren der Menil-Stiftung zwei Teile eines Freskos angeboten worden, von denen es hieß, sie seien zufüllig auf einem türkischen Trümmerfeld gefunden worden. Die de Menils waren mißtrauisch und beauftragten ein Team von Anwälten und Detektiven, der Sache nachzugehen. In einem Münchner Apartment fanden die schließlich das komplette Kunstwerk: In 38 Teile zerschnitten, warteten die Fresken darauf, stückweise verscherbelt zu werden. Dominique de Menil kaufte sie für ein Lösegeld von einer Million Dollar (damals rund 2,5 Millionen Mark) frei und investierte eine weitere Million für die Restaurierung. Drei Länder stellten Besitzansprüche, doch nur Zypern konnte mit einer griechisch-orthodoxen Kirche aufwarten, in deren Architektur die Deckengemälde perfekt paßten. De Menil übertrug die Eigentumsrechte an die zypriotische Kirche, vereinbarte jedoch, daß die Fresken für mindestens 20 Jahre in Houston bleiben sollen. Susanne Lingemann Francois de Menil in seiner Kapelle
