Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 123
Statt neuer Erkenntnis Fehlerhaftes über van Gogh
Von
seit nunmehr vier Jahrzehnten macht sich der Niederländer Jan Hulsker, ehemals Generaldirektor im Kulturministerium von Den Haag, um das Werk des Malers Vincent van Gogh verdient. Hulsker hat als erster die 796 meist undatierten Briefe des 1853 geborenen Künstlers in eine logisch begründete zeitliche Reihenfolge gebracht. Er schrieb eine Biografie der Brüder Vincent und Theo van Gogh und publizierte 1978 unter dem Titel "Van Gogh en zijn weg" ein kritisches Werkverzeichnis, das alle Gemälde und Zeichnungen, insgesamt 2125 Werke, erstmals gemeinsam streng chronologisch auflistete und kommentierte.
Viele Forscher schätzten seither "den Hulsker" höher ein als den bis dahin maßgebenden Standard-Katalog des Juristen Jacob Baart de la Faille, der 1928 erstmals erschien und die Gemälde von den Zeichnungen trennte. 1970 wurde erzuletzt revidiert, enthielt aber immer noch falsche Zuschreibungen uder erklärte sogar gefälschte Werke van Goghs zu eigenhändigen Arbeiten. Auch Hulskers Liste war durch neue Funde und die ersten Resultate des 1990 gegründeten "Van Gogh Research Project" (ART 10/1996) im Lauf der Zeit inaktuell geworden. Eine jetzt in englischer Sprache herausgekommene "revidierte und erweiterte Ausgabe des Catalogue raisonne" von Hulsker weckte darum große Erwartungen*. Leider wurden sie meist enttäuscht. Denn statt der "neuesten Entdeckungen und Erkenntnisse" (Verlagsprospekt) enthält der 504 Seiten starke Foliant nach einem Bericht der Zeitschrift "Weltkunst"zahlreiche falsche Zuschreibungen, Fälschungen, falsche Daticrungen und falsche Standortangaben". Als falsch gilt etwa laut Auskunft des "Weltkunst"-Autors Stefan Koldehoff seit 1992 ein "Selbstporträt" aus }Text nicht OCR-lesbar}
