Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 119

Die neue Konkurrenz ist eine Herausforderung

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Am 24. Oktober eröffnet in Karlsruhe das Zentrum für Kunst und Medientechnologie/ ZKM in den ehemaligen IWKA-Hallen (ART 2/1997) mit dem Museum für Neue Kunst und dem Medienmuseum. Die neue, von Heinrich Klotz geleitete Konkurrenz bietet den anderen Museen der Stadt Anlaß, ihre Position zu klären. ART-Korrespondentin Ruth Händler sprach mit Klaus Schrenk, dem Direktor der Staatlichen Kunsthalle, über die Perspektiven seines Hauses vor dem "Quantensprung für Karlsruhe", wie Schrenk den Stan in die ZKM-Ära bezeichnet. ART: Siehaben 1995 die Leitung eines Museums übernommen, das sein Renommee fast ausschließlich der Sammlung verdankte, denn ihr Vorgänger Horst Vey hat die Kunsthalle aus dem Ausstellungsbetrieb herausgehalten. Konnte das Museum durch die fünf Sonderausstellungen zur 150-Jahr-Feier im vergangenen Jahr wieder mehr Besucher erreichen? Schrenk: Wir hatten 25 Prozent mehr Besucher, vor allem die große Moritzvon-Schwind-Ausstellung hat das Haus auch überregional wieder ins Gespräch Klaus Schrenk gebracht. Aber die Einbrüche, die Baden-Württembergs Museen nach der Einführung von Eintrittsgeldern 1995 hinnehmen mußten, sind nicht leicht aufzufangen. Bei uns gingen die Besucherzahlen von 150 000 auf etwa 70 000 zurück, jetzt sind wir wieder bei 100000. Das Jubiläumsjahr, in dem wir einen weitaus höheren Etat hatten, war für uns eine Chance, mit dem Ausstellungsprogramm von der "Karlsruher Passion", einem Meisterwerk der Spätgotik, bis zur Kunst der sechziger Jahre auf unsere Sammlungsschwerpunkte aufmerksam zu machen. Da es in der Kunsthalle keine größeren Flächen für Wechselausstellungen gibt, haben wir das Haus an unterschiedlichen Orten für die einzelnen Präsentationen erprobt, und so werden wir auch in Zukunft arbeiten. ART: Das ZKM wird sich im Herbst als das Zentrum für Neue Kunst in Deutschland präsentieren. Gräbt Ihnen Heinrich Klotz im Bereich der Gegenwartskunst das Wasser ab? Schrenk: Das ist natürlich eine Herausforderung, wenn so ern enormes Gebilde wie das ZKM vom Stapelläuft. Unruhe bringt das bestimmt. Aber uns kann es nur recht sein, wenn unsere Sammlung auch in die öffentliche Diskussion kommt. Für die Kunsthalle mit ihrem in fahrhunderten gewachsenen Bestand ist die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunst lebenswichtig. Man kann ja nicht nur die vergangenen Zeiten rekonstruieren, sondern wir müssen die Fragen an die Geschichte aus einem gegenwärtigen Verständnis formulieren. Diese Verzahnung mit der Sammlung soll künftig in den Wechselausstellungen deutlich werden. Beliebigkeit im Ausstellungsprogramm wird es in der Kunsthalle auch künftig nicht geben. ART: Wie werden Sie sich in der Gegenwartskunst vom ZKM abgrenzen? Schrenk: Während das ZKM die vielfältige Wirkung von zeitgenössischer Kunst auf Räume zeigen wird und in den Mittelpunkt Künstler stellt, die _ wie etwa Günther Förg _ mit unterschiedlichen Medien und Materialien arbeiten, wird es bei uns in'mer die Konzentration aufs einzelne Bild geben. Die Ausstellungen der Kunsthalle bleiben überschaubar, aber wohlpoin-}Text nicht OCR-lesbar} Millionen Mark für die Sanierung des Kunsthallen-Altbaus bewilligt und damit den Stellenwert des Hauses als eine der beiden staatlichen Gemäldegalerien bestätigt, Ihr Ausstellungsetat ist aber immer noch sehr bescheiden ". Schrenk: In diesem Jahr sind es 230000 Mark. Die Stuttgarter Staatsgalerie hat das Zehnfache. Wir wollen eine gewisse Gleichbehandlung einfordern, Ich wäre froh, wenn wir _ wie im Jubiläumsjahr _ 800000 Mark hätten. Darum geht der große Kampf. Aber wir befinden uns in einer guten Wettbewerbskondition.