Ausgabe: 04 / 1997
Seite: 118

Denkmalschutz für den Direktor

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Wenn es um die Aufgaben ines Museums geht, kann er bockig werden, der Herr Direktor. Verwahrt sich gegen multimediale Spektakel, interaktive Spielereien und den faulen Zauber "objektloser" Inszenierungen. Meint, daß der Zirkus eine Sache sei und das Museum eine andere " nämlich der Ort, an dem Originalwerke bewahrt und den Menschen nahegehracht werden. Und bis zu seiner Pensionierung solle das so bleiben. Basta.

Da darf sich der arme Herr Direktor aber nicht wundern, wenn sein Arbeitgeber ihm mit Abmahnung droht. So geschah es jetzt Ernst-Gerhard Güse, 52. Seit 1989 trägt er die Verantwortung für das Saarland-Museum in Saarbrücken, seit ein Paar Jahren auch die Last, mit seinen Ausstellungen voller Originale weitaus weniger erfolgreich zu sein als Kollege Meinrad Maria Grewenig in Speyer mit Faksimiledrucken von Leonardo-Werken. Während Güse sich also der hehren Kunst widmete, etwa in Form italienischer Zeichnungen der frühen Renaissance, reifte bei seinem Arbeitgeber, der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, des Direktors Alptraum der kunstfreien Museumsschau zu einem konkreten Projekt. Die mit 2,75 Millionen Mark veranschlagte Landesausstellung "Prometheus" sollte ihm im Sommer 1998 ins Haus gepreßt werden. Der zentrale Standort in der Stadt, versichert der Ausstellungsplaner Richard van Dülmen, wäre die einfachste und billigste Lösung gewesen. Dem Museumsmann Güse war sie zu billig. Jetzt wird das kulturanthropologische Feuerwerk zur Jahrtausendwende wahrscheinlich an einem viel geeigneteren Ort steigen: in der Gasgebläse-Halle der Völklinger Hütte vor den Toren der Stadt. Die wurde 1994 als Weltkulturerbe eingetragen. Ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die letzten Museumsdirektoren mit Rückgrat, die sich nicht dem Unterhaltungsbetrieb in die Arme werfen, auch unter Denkmalschutz gestellt werden müssen. Ruth Händler